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    <title>Geschichten aus der Region</title>
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      <title>Geschichten aus der Region</title>
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      <title>Man fühlt sich heimelig in Pöttmes</title>
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      <description>Richard Steib</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Richard Steib (*12.06.1942)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Richard Steib wurde im Jahre 1942 in Wanne-Eikel (seit 1975 Herne) im Ruhrgebiet geboren. Ein Jahr später ging die Ehe seiner Eltern in die Brüche: Sie ließen sich scheiden. Die tiefe Zwietracht zwischen den Eltern hatte für Richards Leben schwerwiegende Konsequenzen. Seine Mutter zog zu ihrer Mutter nach Salzgitter in Niedersachsen. Dort arbeitete sie als Sekretärin. Sein Vater wohnte in Pöttmes beim Uhrmacher Kroll, wo er seine Lehre absolvierte. In späteren Jahren übernahm er das Geschäft auf Leibrente.  Anfangs, als kleiner Bub, wohnte Richard bei der Mutter. Doch später wurde sein Aufenthaltsort durch Gerichtsurteile bestimmt. Alle halben Jahre wurde er zwischen der Mutter in Salzgitter and dem Vater in Pöttmes hin und her geschoben.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Richards Schulbildung litt sehr darunter, denn zur damaligen Zeit begann das Schuljahr in Niedersachsen zu Ostern, in Bayern aber im September. Das heißt der Junge landete bei den halbjährlichen Umzügen, von einem Elternteil zum anderen, immer zwischen den Schuljahren. Dazu kam das Durcheinander beim Religionsunterricht. Richard wusste nicht, wo er hingehörte. Der Vater behauptete er sei katholisch, die Mutter, er sei evangelisch. Er besuchte Mal den katholischen, mal den evangelischen Unterricht. Eines Tages drückte ihm der Pöttmeser Pfarrer einen Katechismus mit zugeklebtem Hakenkreuz in die Hand. Nach einer kurzen Vorbereitung empfing der 10-Jährige die Kommunion und drei Monate später die Firmung. Somit waren wenigstens die konfessionellen Zugehörigkeitsverhältnisse ein für allemal geklärt.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit 14 Jahren verließ Richard nach der 9. Klasse die Schule. Er machte von 1957 bis 1960 eine Schlosserlehre bei den Hüttenwerken Salzgitter AG. Danach arbeitete er in einem Betrieb und absolvierte die Vorprüfung für den staatlich geprüften Techniker.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Auf Drängen des Onkels und seines Vaters zog Richard 1962 nach Pöttmes. Er begann beim Vater eine Lehre als Uhrmacher und wohnte mit im Haus. 1965 schloss er die Lehre ab. Das Verhältnis zum Vater war schwierig. Sein Vater wollte wieder heiraten und ging auf Brautschau. Dazu nahm er seinen Sohn immer mit. Wenn Richard Steib heute darüber nachdenkt, dann kommt es ihm wie die Blaupause in einem Loriot Sketch vor. Nach jeder Begegnung mit einer potenziellen Braut fragte ihn der Vater: „Ist das was für mich?“ Schließlich entschied er sich und heiratete eine Frau mit zwei Töchtern. Richard fühlte sich, wie das dritte Rad am Wagen. Es dauerte nicht lange, da wies sein Vater ihm die Tür und sagte: „Ich will Dich nicht mehr sehen“. 17 Jahre herrschte Funkstille zwischen Vater und Sohn.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Im Nachhinein wirkte sich das zum Positiven aus. Richard lernte Gerda Schmaus 1963 beim Tanz in den Mai in der Pöttmeser Gaststätte „Ochsnwirt“ kennen. 1966 heiratete das Paar in Pöttmes. Richard arbeitete in Neuburg und legte zeitgleich die Meisterprüfung zum Uhrmacher ab. Die Neuvermählten bezogen eine Wohnung in Rohrenfels. Zu der Zeit stürzte die Quarz Technologie das mechanische Uhren Geschäft in die Krise. Richard Steib erkannte, dass der Beruf keine wirkliche Zukunft mehr hatte und absolvierte eine Optikerlehre in Nördlingen. Unermüdlich und vielseitig interessiert, wollte er dann auch die Prüfung zum Optikermeister machen. Dies erforderte einen Umzug nach Nürnberg. In Gerda Schmaus hatte Richard eine Frau gefunden, die ihm treu und ohne Heimweh zur Seite stand. 1972 kam die Tochter Annette zur Welt. Oft besuchte die Familie die Schwiegereltern an Wochenenden in Pöttmes. An einem Samstagvormittag spazierte Annette in das Uhrengeschäft Steib und ließ sich dort die Ohren stechen und fragte: „Weißt Du, wem Du gerade die Ohren gestochen hast?“  „Nein“, erwiderte der Herr. „Na deiner Enkelin!“ meinte sie. Danach fanden Richard mit Familie und sein Vater langsam wieder zusammen.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Im Jahr 1983 starben Richards Vater und seine zweite Frau. Ihre Töchter hatten das Geschäft im Visier und unternahmen juristische Schritte, um ihre Position zu stärken. Als einziges leibliches Kind des Inhabers erbte Richard das Geschäft und zahlte die Töchter aus. Anfangs wurde das Geschäft an Frau Schiffelholz vermietet.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
  
          Im Jahre 2003 zog Richards Tochter, ebenfalls ausgebildete Optikerin, von Nürnberg nach Pöttmes und übernahm den Betrieb. Zwei Jahre danach ging Richard in Rente und machte Pöttmes zu seiner dauerhaften Heimat.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Dankbar gedenkt er seiner Schwiegereltern, die ihn so gut aufnahmen. Bei ihnen fand er die familiäre Geborgenheit, die ihm als Kind und Jugendlicher verwehrt wurde. Mit Dank erfüllt ihn das Glück einer 58-jährigen Ehe. Vor allem schätzt er die Liebe und in allen Lebenslagen treue Unterstützung seiner Ehefrau. „Das Leben gemeinsam meistern“ ist sein Motto! Das galt für Richard und Gerda im privaten und beruflichen Miteinander. Gerda passte sich einem der drei Berufsausbildungen ihres Mannes an: Als Älteste in der Berufsschule begann sie 1980 die dreijährige Optikerausbildung und brachte sich anschließend all die Jahre im Betrieb ein.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Alle drei Berufe die Richard Steib im Laufe seines Berufslebens erlernte und teils ausübte, empfindet er als zufriedenstellend, weil sie anderen weiterhelfen: Der Schlosserberuf bescherte ihm technisches Wissen, womit er Kunden helfen konnte. Durch die Uhrmacherei wird die Zeit wieder ablesbar und als Optiker ermöglicht man klare Sicht.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         „Ich bin kein heimatverbundener Mensch“, sagt Richard Steib und nimmt damit Bezug auf sein Aufwachsen ohne festen Wohnsitz. Er fühlt sich dort wohl, wo sein Umfeld stimmt. Und das trifft auf Pöttmes zu: „Auf dem Lande ist es einfach schön. Man ist hier aufgenommen, man redet miteinander, man kennt sich, man fühlt sich heimelig. In der Jugend mag man sich, aber im Alter braucht man sich!“ fügt der Zweiundachtzigjährige nachdenklich hinzu.
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  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 11 Dec 2024 11:24:03 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Hans Mühlpointner: Landwirt, Erzähler, Dichter</title>
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      <description>Hans Mühlpointner</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Johann Mühlpointner (* 24.Juli 1939)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Hans Mühlpointners Lebensgeschichte führt uns zurück in die Härte vergangener Zeiten, bevor die Menschenwürde in der UN-Charta von 1948 und in unserem Grundgesetz verankert und in den Köpfen und Herzen unserer Gesellschaft verinnerlicht wurde. Schutzbedürftigkeit war noch Zukunftsmusik. Für Frauen und Kinder hieß es: Gehorcht - erfüllt Eure Pflicht!
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Vor über achtzig Jahren ging es im Leben vieler Menschen insbesondere auf dem Lande hauptsächlich um‘s Überleben. Harte Arbeit bestimmte den Alltag, auch für Hochschwangere kurz vor der Niederkunft. Am 24. Juli 1939 setzten bei Maria Mühlpointner starke Wehen ein, sie wollte nicht mit auf‘s Feld. Doch ihr Mann bestand darauf. Gebückt beim Mähen, mit der Sense in der Hand, platzte die Fruchtblase. Der Ehemann eilte nach Pöttmes um die Hebamme zu holen. Bis sie eintraf, lag der kleine Hans schon in seinem Bettchen und strampelte mit den Füßen.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Als Bub war Hans Mühlpointner klein, zierlich und ängstlich. In Kriegszeiten hineingeboren, erlebte er, wie die Frauen hart arbeiten mussten, um den Hof umzutreiben und die Kinder zu versorgen. Er beobachtete, wie Flüchtlinge, Heimatvertriebene, Zwangsverschickte und Evakuierte aus den zerbombten deutschen Städten nach Pöttmes und auch nach Schorn strömten. Dort mußten sie von den Einheimischen notdürftig untergebracht und teils auch mitversorgt werden. Er half bei der nächtlichen Feldarbeit, tagsüber war diese wegen Fliegerangriffen zu gefährlich. Hans erinnert sich an die Angst vor den Bombenangriffen, die entsetzliche Armut und Hungersnot der Geflüchteten, den bestialisch stinkenden und überquellenden Abort und auch den Graben, in dem tote Tiere entsorgt wurden: Die Welt seiner frühen Kindheit.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nachdem die Magd ihn am ersten Schultag am Schulgebäude abgeliefert hatte, fürchtete sich der Bub allein in die Schulklasse zu gehen. Er kehrte um und lief den ganzen Weg von Pöttmes nach Schorn zurück. Mit dem Ende des Krieges 1945 war 1949 nationalsozialistisches Gedankengut teilweise noch immer in den Köpfen der Menschen. Hans Mühlpointner wurde wegen seiner sonnengebräunten Haut als „Negerbatzi“ und Schlimmeres beschimpft und verhöhnt, auch Erwachsene riefen ihm Schimpfwörter nach, bis er außer Sicht war. Er litt sehr darunter. Anfangs unterrichteten Klosterfrauen an der Pöttmeser Schule. Schwester Constantine wurde durch einen cholerischen Lehrer, zum großen Kummer und Leidwesen der Kinder ersetzt. Die Schüler wurden täglich angebrüllt, mit Schlägen bestraft, manchmal sogar blutig geschlagen. Nach einem brutalen Vorfall beschwerte sich der Vater eines Jungens, der fast bewusstlos geschlagen worden war. Es hieß: ‚Dem Lehrer sind die Nerven durchgegangen‘. Weiter passierte nichts. Die Kinder waren diesem gewalttätigen Mann schutzlos ausgeliefert. „Die Schulzeit war die schlimmste Zeit meines Lebens“, erinnert sich Hans Mühlpointner.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nach der Schule besuchte der junge Mann zwei Jahre die Berufsschule in Pöttmes, wo er Landwirtschaft lernte. Er half weiter auf dem elterlichen Hof, verdingte sich zusätzlich als Maurer und Hilfskraft in der Brennerei in Schorn. Hans Mühlpointner verdiente seinen Lebensunterhalt mit schwerer körperlicher Arbeit. Dennoch erwachte bereits damals in ihm das Bedürfnis seine Beobachtungen des Alltags zu Papier zu bringen. Er begann Gedichte zu schreiben. Somit entstand ein Gedichtband, welchen er heute mit Stolz vorzeigt.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit 31 Jahren war der junge Landwirt immer noch ledig. Seine Mutter drängte ihn, sich eine Frau zu suchen. Um vernünftig Landwirtschaft zu betreiben, hieß es, braucht ein Bauer eine Frau an seiner Seite. Beim Volksfest in Schrobenhausen lernte er eine Frau näher kennen. Sie sprachen etwas miteinander und er besuchte sie daheim. Dann wurden sie ein Paar und heirateten. Seine Ehefrau brachte ein Kind mit in die Ehe. 1970 übernahm Hans Mühlpointner den Hof mit 26 Kühen, Schweinen und Ackerbau. Das Leben in einem Mehrgenerationenhaus war für das junge Ehepaar nicht einfach. Zurückblickend meint Hans Mühlpointner, dass er heute ganz anders handeln würde – nicht zweckmäßig, sondern mit Gefühl. Er hat eine Tochter, zwei Söhne und 4 Enkelkinder.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Fünfundachtzigjährige erzählt liebend gerne Geschichten. Beim Erzählen strahlt sein Gesicht, er lächelt verschmitzt und präsentiert prägnante Anekdoten. Anhand der Tagebucheintragungen seines Vaters, Erzählungen von Verwandten und seinen persönlichen Erlebnissen, verfasste Hans Mühlpointner ein Buch: „Die Kriegserlebnisse des Soldaten Max Mühlpointner und Ereignisse in der Heimat von 1940 bis 1946“. Mit seinem ausgeprägten Beobachtungs- und Erinnerungsvermögen weiß Hans Mühlpointner genau, wie es damals war: z.B. beim Torfstechen, als Münzen aus napoleonischen Zeiten oder Wertsachen, die Menschen auf der Flucht begraben hatten, gefunden wurden. Er beschreibt seine Erfahrungen als Ministrant. Auswendig und ohne Fehler kommen ihm die lateinischen Messgebete von den Lippen. „Wenn ich nicht schlafen kann, sage ich sie auf“, berichtet er. Trotz allem, was er in seinem Leben durchmachen mußte, hat Hans Mühlpointner immer noch ein Auge für das Schöne und das Gute auf dieser Welt, wie seine Gedichte bezeugen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Meine Heimat
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schorn steht wie ein Zwerg
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Vor dem großen Gumppenberg.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Norden ist der Fuchsenberg,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Osten ist der Abenberg,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Süden ist der Galgenberg.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Den Weiher an der Kapelle
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Speist vom Bleitzhof her die Quelle.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          An der Sandgrube steht das große Bienenhaus,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          da fliegen die Bienen ein und aus.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Wenn Lerchen, Stare, Schwalben kommen,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          dann hat der Frühling schon begonnen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Und wenn die Amsel singt und der Kuckuck ruft,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          dann wird es wieder grün,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          wo dann Blumen und auch die alten
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Schorner Rosen wieder blühen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Sommer wachsen in den Feldern rings um Schorn
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Gerste, Hafer, Weizen und das Korn.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Wo über den Fluren der Bussard kreist,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          und wo der Weg zur Kirche weist,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          und wo im Herbst vom Donaumoos bis zum Schloss
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          und dem alten großen Eichenbaum,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Hängt ein langer Nebelsaum.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Winter über den Fluren streift ein kalter Wind,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          wo Rebhuhn, Fuchs, Wildschwein, Reh und Hase sind.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Wo zu Weihnacht auch in jedem Haus
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ein Christbaum steht,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          dann geht jeder Christ auch zur Kirche hin.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Das ist Schorn wo ich geboren bin.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Hans Mühlpointner
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 09 Dec 2024 19:55:23 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Die Pöttmeser Uhrmacherin</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/franziskabartsch</link>
      <description>Franziska Bartsch</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Franziska Bartsch (geborene Schloßer) (*27.09.1931)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Die zweiundneunzigjährige Seniorin wohnt heute noch in dem Haus, in dem sie an einem Sonntagmorgen, am 27. September 1931 das Licht der Welt erblickte. Ihre zehn Jahre ältere Schwester kümmerte sich rührend um die kleine kränkliche Franziska. Trotz des großen Altersunterschieds standen sich die Schwestern sehr nahe. Franziskas Vater war Uhrmachermeister. Er lernte bei Carl Trümmer, der eine kleine Werkstatt in Pöttmes betrieb. Die beiden Herren verrichteten unter anderem Arbeiten für ein Antiquitätengeschäft in München. Prachtvolle Möbelstücke schmücken seit hundert Jahren das Wohnzimmer von Franziska Bartsch. Sie sind Zeugen der harten 20er Jahre, als die hohe Inflation den Vater bewegte, anstelle wertlosen Geldes gelegentlich Antiquitäten als Zahlung für geleistete Arbeit anzunehmen.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Im Jahre 1923 übernahm der Vater das Pöttmeser Uhrengeschäft im Kirchenweg (dem heutigen Partnerschaftsplatz). Franziskas Mutter führte den Haushalt und bewirtschaftete drei große Obst- und Gemüsegärten, denn in den Läden gab es kein frisches Gemüse zu kaufen. Franziska ging in Pöttmes zur Schule. „Die Klosterschwestern in der ‚Ratzenschule‘ waren sehr streng“, erinnert sie sich, „aber die Schulzeit war trotzdem schön“. Freundschaften, die damals entstanden, begleiten Franziska durch ihr ganzes Leben. Mit Josef Schupfner trifft sie sich noch heute, nach 85 Jahren.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         In den letzten zwei Schuljahren fand kaum noch Unterricht statt. Die Kinder sammelten für die Wehrmacht Himbeer- und Brombeerblätter zum Tee kochen und Bucheckern für Öl. Franziska erinnert sich ganz genau an die Zeit kurz vor Kriegsende. Drei Tage vor der Kapitulation stand sie auf der Haustreppe und sah wie sich ein Jagdbomber im Tiefflug Pöttmes näherte. Dann begann der Beschuss. Die Familie flüchtete zur Tante in die Hof-Wirtschaft, wo sie 3 Tage und 3 Nächte lang im Keller ausharrten.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Franziska Bartsch erzählt von zwei Soldaten, die sich bei ihrem Onkel in der Schwedenstraße einquartierten. Sie unterhielten sich vor dem Haus mit einer Nachbarin, als eine Granate einschlug. Alle drei starben. Es hagelte Schüsse und Granaten. Glücklicher Weise wurde eine Nacht bevor die Granate einschlug ein Munitionswagen, der im Garten des Elternhauses stand, entfernt. Somit hatte ein Beschuss nicht all zu große Folgen für Hab und Gut. Franziska weiß jedoch noch, wie ein antiker Spiegel von der Wand flog und erstaunlicherweise unversehrt auf dem Sofa lag.  
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nachdem Parlamentäre am 28. April 1945 in Pöttmes die weiße Fahne zeigten, wurde der Beschuss eingestellt.  
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Am nächsten Tag rollten viele amerikanische Panzer durch den Ort. Es war eine chaotische Zeit. Freigelassene polnische Zwangsarbeiter überfielen Franziskas Elternhaus, und stahlen wertvolle Gegenstände. Alle Waffenbesitzer mussten ihre Gewehre abliefern. Die vierzehnjährige Franziska Bartsch übergab die drei Gewehre ihres Vaters. Die Waffen und die Munition wurden vor dem alten Rathaus in ein Granatenloch geworfen und zerstört. Die Überreste schlummern sicherlich noch heute dort unter der Erde.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Franziska Bartsch erinnert auch Positives aus der Besatzungszeit. Amerikanische Soldaten ließen ihre Uhren beim Vater reparieren und kamen gerne ins Haus, weil Franziskas Mutter fließend Englisch sprach. Diese Sprachkenntnisse erwarb die Mutter während des ersten Weltkrieges bei einem Aufenthalt im englischen Cornwall, wo sie als junges Mädchen fünf Jahre lang im Hotel ihrer Tante und ihres Onkels arbeitete.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Als das Leben nach Kriegsende allmählich normale Züge annahm, war Franziska heile froh, dass sie die Schule wieder besuchen durfte. Nach Beendigung der Schulzeit entschied sie sich in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und absolvierte in Augsburg eine vierjährige Ausbildung als Uhrmacherin. Die Seniorin erinnert sich an die Busfahrt zur Schule durch enge, zerstörte Straßen, flankiert von meterhohen Schutthaufen und wie die Schüler in dem unbeheizten Klassenzimmer froren. Anfangs war Franziska Schloßer die einzige Frau in der Klasse. Wissenslücken durch fehlenden Unterricht in den Kriegsjahren machten den Einstieg nicht leicht. Doch die junge Frau blieb standhaft, füllte Wissenslücken durch Schulfunk Sendungen im Radio, und schaffte die Gesellenprüfung. Sie arbeitete im Geschäft ihres Vaters und übernahm den Betrieb im Jahre 1967 als ihr Vater starb. Zu ihren Aufgaben gehörte auch das Warten der Kirchturmuhren in den umliegenden Gemeinden: Ebenried, Schnellmannskreuth, Schorn und Grimolshausen.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Das Geschäft führte Franziska Schloßer, mittlerweile Franziska Bartsch, allein. Ihre einzige Hilfe war ihr Mann Roman, der in Neuburg bei der Bundeswehr als Elektriker eine Anstellung hatte. Nach Feierabend um 18 Uhr, half er ihr bei schwierigen Arbeiten. „Ich habe meine erste und letzte Liebe geheiratet“, erzählt die alte Dame mit einem Lächeln in den Augen. Das Paar begegnete sich bei den Busfahrten von Pöttmes nach Augsburg in die Berufsschule. Es blühte eine Liebe auf, die 69 Jahre andauerte, bis ihr Mann Roman Bartsch 2022 verstarb.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nostalgisch denkt sie an ihre Jugend zurück, wie sie mit ihren Schulkameraden auf dem Gumppenberg Ski gefahren ist. Ihre Skier, ein Meisterstück der Teamarbeit: die Skibretter vom Wagnermeister, die Kanten vom Schlosser und die Lederbindung vom Sattler angefertigt.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Heute freut sich die alte Dame über ihre zwei Kinder mit Ehegatten, zwei Enkelinnen mit ihren Ehemännern und fünf Urenkeln. „Nach 85 Jahren sind fast alle weggestorben“, sagt Franziska Bartsch, „jetzt müssen wir die Stange halten“.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 08 Oct 2024 08:27:01 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Landwirt und Politiker, mit Herzblut und Fachwissen vieles bewegt!</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/edgarhegler</link>
      <description>Edgar Hegler</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Edgar Hegler (*14. Februar 1931)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Edgar Hegler wurde im Februar 1931 in Würzburg geboren. Sein Vater arbeitete als ausgebildeter Landwirt auf dem Karlshof, dem landwirtschaftlichen Betrieb des Fürsten Wallerstein. Hier verbrachte Edgar seine frühe Kindheit. Ab der 5. Klasse ging er in Öttingen aufs Gymnasium – eine große Umstellung: Vom heimischen Hof, wo es immer genügend zu essen gab, ins Internat mit strenger Disziplin und dürftigen Mahlzeiten. Zum Frühstück gab es schwarzen Kaffee aus Gerste, Schwarzbrot und Rübenmarmelade. Es herrschte Krieg. Damals, wie überall in Deutschland, war das schulische Leben stark vom politischen Geschehen geprägt. Stramm aufgestellt mussten die Kinder nationalsozialistische Lieder singen und vom Heim in die Schule marschieren. Erinnerungen daran bringen Edgar Hegler heute noch ins Schaudern.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Am 23. Februar 1945 warfen die Allierten 500 Bomben über Öttingen ab. 200 Menschen starben, darunter 6 Schulkameraden. Die Kleinstadt lag in Schutt und Asche, auch die Schule war getroffen. Edgar Hegler hat noch heute vor Augen, wie Kinder, kittgrau mit Mörtelstaub bedeckt, aus der großen Zerstörung hervorkamen, ein Sinnbild, was Krieg anrichtet. Die Zeit im Internat ging im April 1945 zu Ende, als die Schule beschlagnahmt und als Lazarett für ungarische Soldaten verwendet wurde.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Er kehrte zu seinen Eltern heim, nun auf den Dieshof, wo sein Vater im Jahre 1942 bei Baron Herman eine Stelle als Verwalter angenommen hatte. Seit jener Zeit ist Pöttmes für die Familie Hegler Heimat. Da weit und breit kein Gymnasiumsplatz zu finden war, absolvierte Edgar Hegler eine zweijährige landwirtschaftliche Lehre beim Vater auf dem Dieshof. Dieser war heilfroh, denn zum Kriegsende mangelte es an Männern, so dass es schwer war, Arbeitskräfte zu finden. Edgar Hegler absolvierte die Gehilfenprüfung. Anschließend begann er in Landsberg sein Studium zum staatlich geprüften Landwirt. Mit 18 Jahren war er der Jüngste seiner Klasse, der Älteste war 39 Jahre alt. Viele kamen aus dem Krieg und mussten neu anfangen.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         1948 war die Hungersnot weit verbreitet. Menschen suchten die Äcker nach Kartoffeln ab und sammelten in den Wäldern Holz. Entsprechend lag im Studienfach Ackerbau der Schwerpunkt auf der Erzeugung von Rohstoffen mit hoher Nahrhaftigkeit und der Möglichkeit eine reiche Ernte zu erzielen. 1952, mit seinem Diplom als Agraringenieur in der Tasche, nahm Edgar Hegler eine Stelle als Wirtschaftsassistent auf dem Staatlichen Versuchsgut in Neuhof bei Donauwörth. Noch heute weiß er um diese sehr lehrreiche Zeit.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Doch vier Jahre später erkrankte der Vater. Vom Krankenbett aus bat er seinen Sohn, sich bei seinem Chef freistellen zu lassen, um die Bestellungen für den Dieshof zu erledigen. Edgar Hegler nahm sich 4 Wochen frei. Der Zustand seines Vaters verschlechterte sich zunehmend. Dem Ende nahe, bat er seinen Sohn: „Bub, Du musst einspringen, wenn der Baron Dich nimmt“. Kurz darauf verstarb der Vater und Edgar Hegler wurde sein Nachfolger als Verwalter auf dem Dieshof. Unerfahren, aber klug und voller Tatendrang, nahm er die Arbeit auf. Viele trauten dem jungen Mann diese große Aufgabe nicht zu. Doch stets der Praktiker, bewältigte Edgar die Herausforderungen, die mit einem 140 Hektar Hof mit Ackerbau und Vieh einhergingen.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Damals bezog der Dieshof Strom von der Mittermühle in Pöttmes. Der Kontakt zwischen dem Dieshof und der Mittermühle, den Familien Hegler und Lindner, bestand seit vielen Jahren. Durch diese Beziehung lernte Edgar die Tochter Maria kennen und lieben. Sie heirateten im Jahre 1956. Beide absolvierten die Meisterprüfung, er in der Landwirtschaft und sie in der Hauswirtschaft. Über viele Jahre bildeten sie Lehrlinge aus. Als Agraringenieur und landwirtschaftlicher Meister war Edgar Hegler 25 Jahre im Meisterprüfungsausschuss als Prüfer tätig.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Edgar Hegler brachte sein landwirtschaftliches Wissen und Engagement ehrenamtlich als Vorstandsmitglied des Maschinenrings* und bei der Bundesvereinigung Erzeugergemeinschaft für Kartoffeln ein. Auch in der Kommunalpolitik war er stark präsent: Drei Jahrzehnte war er Mitglied des Gemeinderates Pöttmes und des Kreistages Aichach-Friedberg, und 12 Jahre stellvertretender Landrat im Landkreis.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Edgar Heglers außerordentliche Leistungen wurden 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Ehrenring des Landkreises gewürdigt. „Um sich in der politischen Arena zu behaupten, braucht man starke Nerven und ein dickes Fell“, meint der Dreiundneunzigjährige. „Manchmal geht es hart an die Grenze“. Doch seine Ämter führte er gerne aus. Sein großes Wissen, sowie seine praktische Art und Weitsicht brachte er dort ein, wo sie gebraucht wurden. Heute lebt er für seine Frau, drei Kinder und sechs Enkelkinder - zufrieden und dankbar für ein reiches Leben. Für alle seine Mitbürger und Mitbürgerinnen wünscht sich Edgar Hegler, dass ihnen der Frieden erhalten bleibt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          * Infobox
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      
           Der erste ‚Maschinenring‘ wurde 1958 in Buchhofen gegründet. Es handelt sich um eine Vereinigung, in der sich landwirtschaftliche Betriebe zusammenschließen, um u.a. Land- und Forstmaschinen gemeinsam zu nutzen und um sowohl land- und hauswirtschaftliche Arbeitskräfte und als auch Hilfe in Notfällen zu vermitteln.
          &#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 31 May 2024 12:49:11 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Zufriedenheit, trotz allem</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/cäcilliaottilinger</link>
      <description>Cäcillia Ottilinger</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Cäzillia Ottilinger (geborene Lohner)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Cilli, wie sie allgemein genannt wurde und heute noch jedem bekannt ist, wurde am 8. Dezember 1939 als fünftes von sechs Kindern geboren. Die Eltern hatten ein landwirtschaftliches, vom Großvater erworbenes Anwesen. Vier Mädels und zwei Buben, die beide, ein Bub kurz nach der Geburt an Diphtherie und der andere im Kindesalter, damals noch an Keuchhusten, verstarben. Ein Schicksal, das die Familie nur mit Arbeit und Beten überwand. Es waren Kriegszeiten, auf dem Land konnte man sich Gott sei Dank selbst versorgen. Einmal, so erinnert Cilli Ottilinger, dass sie in Richtung Augsburg Leuchtkugeln am Himmel sahen. „Das sind die Christkugeln zu Weihnachten,“ erklärte die Mutter. Ungefähr mit acht oder auch neun Jahren, nach der Kommunion, kam Cilli nach Allmering in der Gemeinde Rehling zur Tante, die dort neben der Landwirtschaft ein Wirtshaus betrieb. Alle halfen mit, auch Cilli, die das Zusammensein mit den vielen verschiedenen Menschen, die die Gastwirtschaft besuchten, liebte. Das war anders als in der Landwirtschaft zu Hause, wo jeder sein Tun auf dem Feld oder im Stall hatte, die Arbeit geschafft werden musste und nicht gesprochen wurde. Die Hilfe von Kindern in den elterlichen oder auch verwandtschaftlichen Betrieben war damals selbstverständlich, wurde nicht als Kinderarbeit oder Ausbeutung
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         verstanden. Es war auch in den schweren Nachkriegszeiten normal, dass Kinder aus kinderreichen Familien
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         in der Verwandtschaft unterkamen. So war es dann ein „Esser“ weniger am großen Dreigenerationentisch.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Cilli Lohner fühlte sich wohl in Allmering. Die Tante konnte gut mit Kindern. Morgens ging sie mit ihrem Ranzen die 1,5 Kilometer zu Fuß zur Schule. Bei Wind und Wetter. Am Nachmittag half sie, wo es nötig war – oftmals auch bis spät am Abend. Fünf Jahre, bis zum Schulabschluss, verbrachte sie dort, bis die Tante eines Tages mit einer Arbeit nicht zufrieden war und Cilli von einen Tag auf den anderen nach Schnellmannskreuth zurück auf den elterlichen Hof schickte. Dort arbeitete sie dann in allen Belangen eines landwirtschaftlichen Betriebes mit Vieh und Ackerbau. An Ausbildung war nicht zu denken. Im März 1962 heiratete Cilli Michael Fischer und betrieb mit ihm die Landwirtschaft. Drei Kinder wurden dem Ehepaar geschenkt. Der Zwillingsbruder des ersten Kindes verstarb bald nach der komplizierten Geburt. Nach der Entbindung des ersten Zwillings Michael wurde die Gebärende vom
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Krankenhaus in Pöttmes nach Neuburg in das bis 1978 auf Frauen und Kinder spezialisierte Krankenhaus transportiert. Aber der zweite Zwilling Joseph verstarb an Gelbsucht. Für die junge Mutter eine große Pein. In den Jahren danach erblickten noch ein Sohn und eine Tochter das Licht der Welt. Am 21. Juni 1968 wurde Cilli Fischer vom zweiten Schicksalsschlag ereilt. Ihr Mann Michael verstarb an einer Gehirnblutung. Dieses Datum weiß sie genau – und es hörte nicht auf. Am Abend der Beisetzung brannte die Scheune durch einen Blitzeinschlag komplett ab. Das war zu viel.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Cilli überlebte durch die viele Arbeit. Die Mutter hat sich um die Kinder
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         gekümmert. Erst als die Kinder sagten, dass sie Hunger haben, da regte sich etwas in ihr, ihre Muttergefühle retteten sie aus dem Trauma. Eineinhalb Jahre später heiratete sie Alois Ottilinger. Eine Witwe allein auf einem Hof mit drei Kindern, keine Rente–das ging nicht. Und das Schicksal machte nicht halt. Cilli, jetzt Ottilinger, verlor ihre Tochter Cilli aus erster Ehe bei einem Autounfall am 10. August 1980, sie war erst 18; und vor zwei Jahren ihren Sohn Michael Fischer an Darmkrebs. Sie selbst hat den Krebs bisher überwunden. Früh wurde er erkannt und konnte operativ entfernt werden. Die Chemo habe ihr geholfen. 32 Jahre hat Cilli Ottilinger im Landfrauenchor unter dem Chorleiter und ehemaligen stellvertretenden Landrat Rupert Reitberger gesungen. Sie haben Reisen gemacht, waren zweimal in Berlin und sogar in Sibiu, ehemals Hermannstadt in Siebenbürgen, Rumänien. „Mein Gott, diese Armut, die Straßen – diese armen Menschen, dass es so etwas noch gibt, das hätte man nie geglaubt“, nachdenklich und noch heute betroffen kommt es aus dieser tapferen Frau. „Wenn man das sieht, kann man nur zufrieden sein.“
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Cäzillia Ottilinger liebt ihren Garten. Gartenarbeit tue ihr gut, die Finger in die Erde stecken, Säen und Ernten – mit
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         bald 84 Jahren ist sie immer noch die erd- und der Landwirtschaft verbundene Frau. Und Stricken – Trachtenwesten und Socken. Wer rastet der rostet – nicht so Cäzillia Ottilinger. Ihr Sohn, Josef Fischer aus der kurzen ersten Ehe, lebt in Untermaxfeld, ihre Tochter Monika aus der Ehe mit Alois Ottilinger, vor zwei Jahren feierten sie goldene Hochzeit, lebt mit auf dem Hof, der heute verpachtet ist. Cäzillia Ottilinger ist Großmutter von vier Enkelkindern.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Wie ist das alles zu ertragen? Mit Humor, den habe sie nicht verloren, der vielen Arbeit, die ablenkt und: Die Dinge annehmen, das habe ihr zeitlebens geholfen.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         „Ja – und beten, das hilft und erleichtert.“
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         So Cilli Ottilinger, eine aufgeschlossene und immer freundliche Frau – zufrieden, trotz allem.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 17 Apr 2024 14:16:53 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte einer Pöttmeser Bäckerei Familie</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/elfriedebraun</link>
      <description>Elfriede Braun</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Elfriede Braun (geborene Wernhard) *16.12.1930
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Kurz vor Weihnachten erblickte im Jahre 1930 Elfriede das Licht der Welt. Sie war das jüngste Kind der Familie Wernhard. Es gab noch zwei Geschwister, ein zehn Jahre älterer Bruder und eine Schwester. Elfriedes Vater hatte es als Kind schwer. Im Alter von 10 Jahren verlor er seinen erst 44 Jahre alten Vater in Folge einer Blutvergiftung. Er hinterließ Elfriedes Großmutter mit 5 Kindern. Der Großvater war Müller und betrieb eine Sägemühle außerhalb Pöttmes. Nach dem Tod ihres Mannes, verschuldete Elfriedes Großmutter sich. Die Eigentumsgebäude wurden versteigert. Sie erwarb für 3.000 Reichsmark ein Haus in der Rohrmüller Straße in Pöttmes. Mit gerade 20 Jahren übernahm Elfriedes Vater die Verantwortung für seine Mutter und 2 ledige Schwestern, lernte in ein paar Wochen in Tandern bei einer Bäckerei und gründete im Haus der Großmutter eine Bäckerei. Die Konkurrenz war stark, denn es gab damals fünf Bäckereien in Pöttmes: Bäckerei Hammerl, Kaltenstadler, Prechter, Brugger und Wernhard, später Braun, ein Familienbetrieb, wie die anderen Bäckereien in Pöttmes. Neben der Arbeit im Haushalt arbeiteten die Frauen
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         fleißig mit.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Wie bei ihrem Vater, hat der Tod auch Elfriedes Kindheit stark geprägt. Während des Krieges war ihr Bruder 1943 in Russland stationiert. Nachdem ihm die Zehen im strengen russischen Winter abgefroren waren, konnte er für den Kampf an der Ostfront nicht mehr eingesetzt werden und man versetzte ihn nach Frankreich. Die Familie, insbesondere seine Mutter, waren erleichtert, weil seit 1940 in Frankreich ein Waffenstillstand herrschte. Man glaubte der Bruder sei in Sicherheit. Er kam jedoch durch eine Minenexplosion ums Leben. Für Elfriedes Mutter war das ein tiefer seelischer Schock, sie konnte den Tod ihres Sohnes nicht verkraften. Für die ganze Familie war es furchtbarer Schicksalsschlag. Elfriede und ihre Schwester mussten von der Schule
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         freigestellt werden um die Arbeit daheim zu verrichten. Elfriede war 13 und ihre Schwester 16 Jahre alt, als ihre Mutter mit nur 46 Jahren verstarb. Beide Mädchen arbeiteten daheim und in der Bäckerei. Die Jahre vergingen. Im Alter von 20 Jahren lernte Elfriede Wernhard bei einem Tanzabend Albert Braun kennen und schätzen. Er war auch Bäcker. Später stellte ihn Elfriedes
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vater in seiner Bäckerei an. Das Paar heiratete im Jahre 1955 und zog, das war damals nicht unüblich, in Elfriedes elterliches Haus. Drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter brachte Elfriede Braun zur Welt. Gerne denkt sie an diese sorglosen frühen Jahren zurück, als die Kinder noch klein waren. Das Geschäft lief und ihre verwitwete Schwester half bei den Kindern mit. Es war eine schöne Zeit. Im hohen Alter überschrieb Vater Wernhard die Bäckerei an seine Tochter Elfriede. Sie schloß einen Ehe- und Erbvertrag mit ihrem Mann ab und das Ehepaar übernahm den Betrieb – aus Bäckerei Wernhard wurde Bäckerei Braun.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Damals belieferten die Bäckereien ihre Stammkunden in den Dörfern. Elfriede fuhr die Lieferungen aus, diese Arbeit machte sie
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         sehr gerne. Es gab immer viel zu tun, 6 Tage die Woche, und oft auch noch am Sonntag war bei den Pöttmeser Wirtschaften die Nachfrage nach Brot groß, besonders in der Spargel Zeit. Früher wurde Spargel nicht daheim gekocht; man genoss ihn auswärts in den Wirtschaften. Der Schrobenhausener Spargel hatte schon damals einen weiten Ruf. „Es kamen ganze Busladungen von Menschen zum Spargelessen nach Pöttmes. Das kann man sich heute kaum vorstellen“ erinnert sich Elfriede Braun
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         lächelnd. Fünfundsechzig Jahre arbeiteten Elfriede und ihr Mann Albert Braun in ihrer Bäckerei. Die Kinder wollten den Betrieb nicht weiterführen. Da schloss die Bäckerei Braun im Jahr 1992. Seit fast einem Jahr, ihr Mann verstarb 2019, lebt die nun dreiundneunzigjährige Elfriede Braun im Caritas-Pflegezentrum St Hildegard. Sie denkt an ihre Kindheit, den Tod ihres Bruders, und an das Sterben der Mutter. „Das Schlimmste war der Krieg. So sinnlos. Die Kriege heute in der Ukraine und im Mittleren
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Osten zeigen uns, dass die Menschheit nichts dazugelernt hat“, resümiert sie kopfschüttelnd.
        &#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 17 Apr 2024 13:32:04 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Unsere Bäume-stille Zeitzeugen</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/franzherzig</link>
      <description>Franz Herzig</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Franz Herzig (*22.02.1955)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wissenschaftliches Vorgehen zum Thema Klima und Wandel, ein Dendrochronologe aus Osterzhausen erzählt
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Franz Herzig wurde am 22. Februar 1955 als uneheliches Kind in Friedrichshafen am Bodensee geboren. Bis er zur Adoption freigegeben wurde, verbrachte er die ersten Jahre seines Lebens in einem Kinderheim. Schon seit seiner frühen Kindheit interessierte sich Franz Herzig für die Natur: Das Bestimmen von Pflanzen und Tieren, oder auch die Konstellationen des
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Sternenhimmels wurden zu seinen Hobbys. Ein Berufswunsch in diese Richtung, auch den des Försters, war in den 60er und 70er Jahren für Kinder aus einfachen Verhältnissen kaum zu verwirklichen. Mit 17 Jahren verließ er sein Elternhaus um in Freiburg eine Ausbildung zum CTA (Chemisch-Technischer Assistent) zu beginnen. Nach Ableistung des damals noch
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          15monatigen Grundwehrdienstes als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr holte Franz Herzig das Fachabitur beim Kolping-
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Kolleg in Freiburg nach und peilte ein Studium der Forstwissenschaft in der Fachhochschule Hohenheim an. Doch es
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          kam anders. Der Weg, der ihn dann zur Dendrochronologie, das heißt Holzaltersbestimmung, führte, war reiner Zufall.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          1979 wurden durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und der Uni Freiburg am Institut für Ur- und Frühgeschichte ein neues archäologisches Projekt aus der Taufe gehoben und eine Technikerstelle ausgeschrieben, deren Tätigkeitsfeld die
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Bergung und Untersuchung von massenhaft anfallenden organischen Grabungsfunden aus Feuchtbodengrabungen von
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          vorgeschichtlichen Moor- und Seeufersiedlungen (auch als Pfahlbauten bezeichnet) umfasste. Damit sollten die durch den zweiten Weltkrieg unterbrochenen Forschungen wieder aufgenommen werden. Aus den Grabungen entlang des deutschen Bodenseeufers und in oberschwäbischen Mooren wurden neben Scherben, Knochen und Steinwerkzeugen vor allem organisches Material wie Konstruktionshölzer, Holzwerkzeuge, Pflanzenreste in Form von Getreide, Samen und Pollen in riesigen
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Mengen geborgen. Im sauerstofffreien und wassergesättigten Milieu der Moor- und Seeablagerungen waren Holz und andere
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          organische Reste über die Jahrtausende erhalten geblieben. Mit teils neuen naturwissenschaftlichen Anwendungen, wie der Dendrochronologie, der Bestimmung von pflanzlichen Makroresten und der Palnyologie (Pollenanalyse), war es möglich zu
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          erforschen, mit welchen Landschaftsformen frühe Siedler konfrontiert waren, welche Hölzer verwendet und welche Kulturpflanzen angebaut wurden. Die dendrochronologischen Untersuchungen der Hölzer ermöglichte eine jahrgenaue Bestimmung der Fälldaten von Bäumen und die Ermittlung des Pollenspektrums erlaubte es, die Klimaperioden zu bestimmen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Für die Untersuchung dieser Funde wurde ein Mitarbeiter mit botanischen Grundkenntnissen gesucht. Einem WG Mitbewohner
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          wurde die Stelle angeboten Da er sich noch nie mit organischem Fundmaterial befasst hatte, lehnte er die Offerte ab, empfahl aber seinem Mitbewohner Franz Herzig, dessen Spleen, sich der über Jahre stapelnden vertrockneten und herbarisierenden
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Pflanzen der WG-Bewohner anzunehmen in der WG bekannt war, sich zu bewerben. Eigentlich konnte er sich nichts darunter
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          vorstellen, dachte aber, ‚Warum nicht? Förster kann ich später immer noch werden‘. Mit 22 Jahren begann für Franz
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Herzig ein neues Leben als Angestellter der Universität Freiburg. Die Pollenanalytikerin Frau Dr. Liese-Kleiber führte ihn in die
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          grundlegenden Techniken der Mikroskopie an Pflanzen, Holz und Pollen ein, der Archäologe Dr Helmut Schichtherle, Spezialist für Feuchtboden- und Wirtschaftsarchäologie, in die Aufbereitung und mikroskopische Vorbestimmung von Getreideresten, Samen und Früchten aus archäologischen Schichten. Das erste Labor war in einer ehemaligen Lehrerwohnung in Ludwigshafen am Bodensee untergebracht. Feuchtbodenarchäologie nahm bereits in den 70er Jahren an Bedeutung zu, denn aus organischem Material gewann man ganz neue Ergebnisse hinsichtlich Klima und Lebensweisen der Menschen die 6000 Jahre zurückreichten. Das Projekt wuchs kontinuierlich. Größere Räumlichkeiten waren nötig und man bezog ein Schulhaus in Hemmenhofen. Mehr Mitarbeiter wurden eingestellt und differenzierte Teilgebiete kamen dazu. Franz Herzig entschied sich für Dendrochronologie und wurde 1982 von den Professoren Becker und Ruoff in Hohenheim und Zürich in die Methode der Dendrochronologie eingewiesen. Er arbeitete an verschiedenen Grabungen Baden-Württembergs und in Laboratorien Stuttgarts, Freiburgs, Tübingens und Zürichs. Es gab immer mehr zu tun und als die Taucharchäologie dazu kam, fielen zigtausend Holzfunde an, die alle bestimmt und datiert werden mussten.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Jahr 1989 sollten die pfahlbauarchäologischen Forschungen auch auf bayerische Fundorte ausgedehnt werden. Hier bot sich
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          nun für Franz Herzig die Möglichkeit, erstmals selbständig ein Feldlabor in Pestenacker bei Landsberg zu leiten. Er sagte Baden-Württemberg ade und arbeitete von nun an für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, um die Holzfunde der  steinzeitlichen Siedlungen Pestenacker und Unfriedshausen zu untersuchen. Als das Labor zuerst nach München und endgültig in das Kloster Thierhaupten verlagert wurde (wo das Denkmalamt verschiedene Fachabteilungen ansiedelte) erstreckte sich sein
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Zuständigkeitsbereich für die Holzfunde auf ganz Bayern. Seine Aufgabe bestand darin Bodendenkmäler, d.h. Funde aus Holz wie Balken, Werkzeuge und Pfähle zu untersuchen, zu datieren und zu katalogisieren. Er reiste viel zu Grabungen an verschiedenen Fundorten. Dazu gehörten auch Kiesgruben, wo er Mooreichen bergen musste. Mooreichen sind wichtig für die
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Grundforschung, weil sie es ermöglichen Daten lückenlos bis ins 8. Jahrtausend v. Chr. zu ermitteln. Damit kann eine  Chronologie, d.h. ein durchgehender Kalender aufgebaut werden.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Mittlerweile ist Franz Herzig zwar im Ruhestand, aber sein Herz schlägt weiterhin für die Wissenschaft rund um die Dendrochronologie. Förster ist er nicht geworden, aber das leidenschaftliche Interesse an wissenschaftlichen
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Erkenntnissen, die uns die Natur liefert, lässt ihn nicht los und so sind die Bäume noch über das Berufsleben hinaus seine
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          ständigen Begleiter.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Infobox
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Die Dendrochronologie ist die einzige naturwissenschaftliche Methode, die eine exakte Altersbestimmung der Fälljahre von
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          historischen Hölzern ermöglicht. Sie wird zur kalendarischen Datierung von Holz eingesetzt. Mit dieser Forschungsmethode
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          kann man frühere klimatische und ökologische Entwicklungen rekonstruieren und Klima Entwicklungen vergangener
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Zeiten erforschen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Palnyologie: Untersuchung von Pollen (Blütenstaub). Über die Zusammensetzung des Pollenspektrums einer Fundschicht
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          lässt sich ableiten welche Waldgesellschaften zur Zeit der Siedlung vorherrschten, welche Pflanzen angebaut und genutzt
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          wurden.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ein Thema, das uns heute im Rahmen des Klimawandels mehr denn je beschäftigt.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 17 Mar 2024 09:52:46 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Pöttmes ist meine Heimat</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/ireneziegler</link>
      <description>Irene Ziegler</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Irene Ziegler, geborene Hegler (*23. Juli 1934)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Irene Ziegler kam mit 8 Jahren aus der Oberpfalz nach Pöttmes, als ihr Vater von Baron Herman als Verwalter am Dieshof eingestellt wurde. Dort lebte sie mit ihren Eltern und zwei Brüdern von 1942 bis 1955. An die frühen Jahre, als es in Pöttmes nur zwei Autos gab, erinnert sie sich gut. Nur der Baron und der Arzt besaßen ein Auto. Irene half der Mutter in Haus und Garten und dem Vater im Büro. Wenn etwas zu erledigen war, war sie es, die mit ihrem Pferdchen Hexe zum Einkaufen, den Tierarzt holen oder nach Handzell zur Gemeinde fuhr. (bevor Handzell am 1.4.1972 im Rahmen der Gebietsreform ein Ortsteil von Pöttmes wurde, war Handzell eine selbständige Gemeinde)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Zwei Ereignisse, kurz vor Kriegsende, sind in ihrer Erinnerung fest verankert: In den letzten Kriegstagen räumte die SS  (Schutzstaffel der NSDAP als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument, vielfach gefürchtet) viele Konzentrationslager. Die Häftlinge wurden auf Gewaltmärschen durch die Gegend getrieben. Wer liegen blieb, wurde erschossen. Eines Tages standen plötzlich ca. 50 geschwächte, hungerleidende Gefangene auf dem Hof, flankiert von bewaffneten Bewachern. Der Vater brachte die KZ-Häftlinge in der Scheune unter, schlachtete eine Kuh und gab ihnen zu essen: Fleisch, Kartoffeln und Brot von den Pöttmeser Bäckern.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Eine Woche später fuhren Amerikaner in Jeeps auf den Hof. Einer stürmte in die Küche, stieß die Mutter bei Seite und begann sich Schinken und Ei zu zubereiten. Ein anderer lief die Treppe hoch zum Speicher, wo er eine Hakenkreuzfahne entdeckte. Er kam heruntergerannt, packte die Mutter und wollte sie erschießen. Nur die Englischkenntnisse der Kinderfrau aus dem Schloss in Schorn verhinderten, dass alle erschossen wurden. Die Frau versicherte den Soldaten, dass weder der Vater noch die Mutter Nazis seien. Die Fahne stammte vom Vorgängerverwalter. Der entsetzliche Schrecken dieser Kriegserinnerung aus ihrem elften Lebensjahr lässt Irene heute noch erschaudern.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit vierzehn Jahren kam Irene nach Schrobenhausen ins Internat zu den Englischen Fräulein (heute Maria-Ward) auf die Realschule. Einhundert DM plus Schulgeld mussten dafür aufgebracht werden. Das war viel Geld, aber den Eltern war Bildung wichtig, so dass sie viele Entbehrungen in Kauf nahmen, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Tatsächlich spielten die Fertigkeiten, die Irene an der Schule erlernte, in ihrem späteren Leben eine entscheidende Rolle, vor allem die Buchhaltung.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         1953 kam Irene nach Würzburg, wo sie ein dreiviertel Jahr im Hotel Ruß als Beiköchin bei einer Cousine der Mutter arbeitete. Warum schickte man eine junge Frau in die völlig zerbombte Stadt Würzburg? Der Hintergrund war, dass man sie und ihren zukünftigen Mann, Josef Ziegler, versuchte auseinander zu bringen. Er wurde nach Karlsruhe in die Meisterschule für Elektrotechniker geschickt. Dass der Sohn eines erfolgreichen Pöttmeser Elektrowarengeschäfts eine Frau mit guter Ausbildung aber ohne finanzielle Mitgift, heiraten wollte, war für seine Eltern undenkbar. Das junge Paar trotzte allen Versuchen sie zu trennen: Die Liebe siegte! Mit 21 Jahren heiratete Irene Hegler ihre große Liebe, Josef Ziegler – der gegen den Willen seiner Eltern standhaft zu ihr hielt.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Die jungen Eheleute wohnten im Geschäftshaus am Kirchweg und später in der Ringstraße. Irene arbeitete fleißig im Büro und im Laden; ihr Mann entwickelte, verbesserte und baute Maschinen. Fünf Kinder wurden ihnen geschenkt. Dank der Hilfe ihrer Mutter und Personal für den Haushalt, konnte Irene Ziegler auch als vielfache Mutter im Betrieb weiterarbeiten. 1962 übernahm Josef das Elektrogeschäft der Eltern und erweiterte das Unternehmen mit Anbauten, Hallen und Fertigung.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Doch die Zeiten änderten sich. Man kaufte zunehmend Elektrogeräte in Großgeschäften ein. Kleine Elektroläden spürten, wie der Umsatz schrumpfte. Im Jahre 1991 schloss das Elektrogeschäft Ziegler; die Fertigungssparte des Unternehmens lief erfolgreich weiter.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Irene Ziegler blickt zurück auf bald 90 Jahre, dankbar für ihre Eltern, dass sie mit 8 Jahren nach Pöttmes kam, eine gute Ausbildung und einen treuen, wunderbaren Pöttmeser zum Ehemann hatte. Ein halbes Jahrhundert sang sie im Kirchenchor mit. „Pöttmes ist meine Heimat“, sagt sie mit bewegter Stimme. „Da habe ich alles, was ich brauche. Wir sind umgeben von Wäldern, es gibt den Gumppenberg, den Marktplatz mit dem Café und Einkaufsmöglichkeiten. Es fehlt nur noch eine Bayerische Wirtschaft!“ meint Irene Ziegler mit einem Lächeln.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 13 Mar 2024 16:12:21 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Die Hebamme von Osterzhausen</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/karolinaruisinger</link>
      <description>Karolina Ruisinger</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Karolina Ruisinger (*19.November 1932)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Am 19. November 1932 wurde Karolina, das jüngste von acht Kindern, zwei Mädchen und sechs Buben, in Riedheim geboren. Ihr Vater war Waldarbeiter, zudem betrieb die Familie eine kleine Landwirtschaft und einen Tante-Emma-Laden. Der Krieg warf einen Schatten von Verlust und Trauer über ihre Schul- und Jugendzeit. Alle sechs Brüder wurden eingezogen.  Drei überlebten nicht: Willibald und Paul fielen 1942 in Russland an der Front und Paul verhungerte in russischer Gefangenschaft. Auf dem Hof verblieben nur Karolina, ihre Schwester und die Eltern, die die ganze Arbeit stemmen mussten.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Die Nachkriegsjahre gestalteten sich vor allem für junge Frauen auf dem Lande als schwierig. Es gab kaum Berufsaussichten. „Man durfte nichts lernen, konnte nirgends hin. Es gab keinen Bus, keine Bahn, nichts. Keine Infrastruktur. Es gab die Volksschule, und das war‘s “, berichtet Karolina. Der Krebstod ihres Vaters mit 51 Jahren besiegelte Karolinas Werdegang: Weiterhin in der Landwirtschaft auf dem Familienanwesen zu arbeiten.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Bis zu Karolinas 24. Lebensjahr: Ihre zukünftige Schwiegermutter war Hebamme mit einer eigenen Praxis. Sie ermutigte Karolina diesen schönen Beruf zu erlernen. Nach der Ausbildung könnte sie die Praxis in Osterzhausen übernehmen. So nahm Karolinas Leben eine Wende. Die eineinhalbjährige Hebammenausbildung absolvierte sie an einer Frauenklinik in München. Anfangs war es schwer sich den Schmerz und das Geschrei der Gebärenden zu ertragen. „Aber man wächst in den Beruf hinein“, erklärt Karolina. Im Jahr 1958 startete sie als qualifizierte Hebamme ihr Berufsleben.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit 26 Jahren übernahm Karolina die Hebammen-Praxis in Osterzhausen. Gleich am ersten Tag kam die erste Herausforderung: Eine Hausgeburt mit Zwillingen. Bei Komplikationen holten die Hebammen Hausärzte zur Geburtshilfe. „Anfangs gab es fast ausschließlich Hausgeburten. Mit der Zeit wurden es immer weniger“, erzählt sie. Die Frauen gingen lieber ins Krankenhaus, wo sie gut versorgt wurden. Daheim mussten sie oft ohne Wochenbettpflege auskommen. Verständnis für Frauen nach der Geburt gab es damals vor allem auf dem Lande kaum. Gab es doch den Spruch: „Ross verrecken, großer Schrecken - Weiber sterben, kein Verderben“, erinnert Karolina. In der Tat, manche Frauen hatten es nicht leicht. Morgens entbinden, abends in den Stall zum Melken, so erging es einer Frau, die Karolina betreute. An Schonung war nicht zu denken. Einmal, bei einer Hausgeburt, fragte sie nach einem Tuch für die Entbindung. Der Mann legte eine verschmutzte Brunnenabdeckung ins Bett. ‚Das könne man dann wegschmeißen. Man wolle nicht verschwenderisch mit Textilien umgehen,‘ hieß es.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         „Zum Schluss, als es fast nur noch Krankenhausgeburten waren“, erzählt Karolina, „arbeitete ich im Krankenhaus, wo ich für die Entbindung und die anschließende 12-tägige Nachbetreuung zuständig war“.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         34 Jahre lang hat sie ihren Beruf ausgeübt; 2300 Geburten begleitete sie, ohne einen einzigen Todesfall, Gott sei Dank, resümiert die alte Dame. Nur einmal musste sie erleben, dass eine Frau nach einem Kaiserschnitt an einer Blutgerinnungsstörung verstarb. Karolina war tief betroffen. Noch heute hat sie vor Augen, wie die Großmutter mit zwei Kindern bei der verstorbenen Mutter im Leichenhaus stand. Das wird sie nie vergessen.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Karolina Ruisinger hat 3 Söhne und 5 Enkel. Sie blickt zurück auf ein erfülltes und befriedigendes Berufsleben. Nach ihrem über drei Jahrzehnte erworbenem Wissen wird heute noch ab und zu gefragt - auch von Kindern, nun Erwachsenen, die sie zur Welt gebracht hat, wie z.B.: „Sie waren doch die Hebamme bei meiner Geburt“, heißt es dann: „Was war mein Geburtsgewicht?“ oder „Um wieviel Uhr genau wurde ich geboren?“                                             
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Da ist Karolina froh, dass Hebammen damals Tagebuch führen und alle Einzelheiten der Geburt dokumentieren mussten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         „Die Antworten auf diese Fragen kann ich immer kurz nachschlagen“, sagt die alte Dame mit einem Lächeln.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 30 Sep 2023 09:33:08 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>der Mann für alle Fälle</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/jakobfeiger</link>
      <description>Jakob Feiger</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Jakob Feiger (*26.Dezember 1944)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  
         Als zweites Kind erblickte Jakob Feiger am 26.12.1944 am Feiger Hof in Kühnhausen das Licht der Welt. Er wuchs in der Landwirtschaft auf. Ein hartes Leben: Tierhaltung mit Schweinen, Rindern, Hühnern, Enten, Gänsen und Getreideanbau bedeutete ununterbrochene Arbeit, 365 Tage im Jahr. Umso mehr in den vierziger und fünfziger Nachkriegsjahren, ohne die späteren mechanischen Hilfen, wie Traktoren und Mähdrescher. Kinder wurden früh in die täglichen Pflichten einbezogen. Es war selbstverständlich, dass Jakob mit 8 Jahren vor der Schule im Stall und im Sommer bei der Ernte mithalf.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit 5 Jahren wurde Jakob in die „Ratzenschule“ in Pöttmes eingeschult. Jeden Tag marschierte der kleine Bursche von Kühnhausen nach Pöttmes zum Unterricht. In den eisigen Wintermonaten stopfte er Zeitung, Stroh oder Heu in seine dürftigen Schuhe, um die Füße gegen die Kälte ein wenig zu schützen. Manchmal hatten die Kühnhausener Schulkinder Glück. Auf dem Heimweg trafen sie Bauern beim Schnee räumen. Da sprangen sie auf den Anhänger und freuten sich auf die sehr willkommene Mitfahrgelegenheit nach Hause. Später, ab der vierten Klasse, verkürzten sie den Schulweg auf nur 10 Minuten mit zusammengeflickten Fahrrädern, alten Teilen liebevoll von einem Dorfbewohner zusammengebaut. Abenteuerlich die holprigen Schotterwege, unentwegt waren Löcher in den Reifen, die  die Kinder mit alten Schläuchen und Klebe-band selbstverständlich selbst reparierten.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nach dem Schulabschluss mit dreizehn Jahren arbeitete Jakob ein Jahr auf dem elterlichen Hof. 1959 kam er als Metzgerlehrling nach Lindenberg im Allgäu. Ein neues Leben anzufangen, weg von daheim und den vielen Pflichten, fand er wunderbar: In einer beheizten Wohnung mit Bad, Telefon und mehr als genug zu essen. Trotz der Knochenarbeit von teilweise dreizehn Stunden am Tag, fühlte er sich wohl und vor allem frei. „Fort gehen von daheim, hart zu arbeiten und alles selbst bezahlen können, ist eine wichtige Lebenslehre. Schadet auch nicht!“ immer wieder erzählt er das seinem Enkelsohn. 1962 absolvierte er die Gesellenprüfung und arbeitete als Metzger.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nachdem sein Vater tödlich verunglückt war, übernahm Jakob mit nur zwanzig Jahren den elterlichen Hof. Es gab viel zu lernen und Jakob dachte oft an die weisen Worte seines Lehrmeisters: `Bua, Du musst stehlen, aber nur mit den Augen. So kannst Du Dir einen Vorteil verschaffen. Vergleichen: Wie macht es der, und wie macht es der? Dann suchst Du Dir das Beste raus´. „Bis heute merke ich mir das. Ich beobachte immer die Leute und suche mir das Beste raus“, sagt Jakob Feiger.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit 21 Jahren heiratete er seine Regina. Zu zweit lässt sich das Leben besser bewältigen, vor allem in der Landwirtschaft. Das Paar erweiterte den Hof, arbeitete ununterbrochen. 1968 wurde Sohn Richard geboren. Finanziell wurde es so knapp, dass Jakob einen Nebenerwerb aufnahm. Die doppelte Belastung brachte viele harte Jahre mit sich. Aber auch Zusammenhalt und trotz allem Zufriedenheit. Man hat was geschafft, es zu etwas gebracht. Sohn Richard heiratete und wenig später wurde der geliebte Enkelsohn geboren.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Schicksalsträchtige Ereignisse suchten die Familie heim. Richard erkrankte an Bauchspeicheldrüsenkrebs und starb als sein Sohn erst 9 Monate alt war. Jakob Feiger litt unter einem Gehirntumor und kämpfte viele Jahre nach der Operation und Genesungszeit bis er wieder auf die Beine kam. Die Trauer, ein Kind zu verlieren, ist schwer zu ertragen. Jakob und Regina Feiger finden Trost bei ihrer Schwiegertochter und ihrem Enkelkind, die ihnen viel Freude bereiten.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Lebensfreude fand Jakob Feiger auch beim Trachtenverein in Pöttmes. Schon als Fünfjähriger war er dabei und später, mit Unterbrechungen, sorgten die Trachtlertänze und Trachtlerfeste für Erfrischung und Erholung: „Es war schön dabei zu sein, aus dem Trott raus, etwas anderes sehen“, erinnert sich Jakob Feiger. 18 Jahre lang war er 2. Vorstand im Heimat- und Volkstrachtenverein Pöttmes e.V. .
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Als Helfer in der Not ist Jakob Feiger weit und breit bekannt. In der Nachbarschaft, bei den Trachtlern, wenn es etwas zu tun gibt, hat er stets eine helfende Hand.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Trotz großem Leid und Verlust, lebenslanger harter Arbeit - zwei Urlaube waren dem Ehepaar in ihrem Leben bisher vergönnt - strahlt Jakob Feiger Ruhe und Zufriedenheit aus.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit einem Lächeln blickt er auf ein erfülltes Leben.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 18 Sep 2023 11:59:26 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bildung ist Macht</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/heidemarieschumacher</link>
      <description>Heidemarie Schumacher</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Heidemarie Schumacher  (geb. 6. Januar 1947)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Im Jahre 1947 kam Heidemarie Schumacher im Pöttmeser Krankenhaus auf die Welt. Sie wuchs mit vier Geschwistern in Gundelsdorf auf. Im Haus lebten zeitweise 13 Personen auf engem Raum: Heidemaries Familie, eine verwitwete Tante mit ihren 2 Kindern und im ersten Stock eine 5-köpfige Familie aus Gundelsdorf zur Miete. Schon in jungen Jahren mußte Heidemarie begreifen, dass das Leben ein harter Überlebenskampf ist. Schicksalsschläge konnten nur mit Eigeninitiative, Ehrgeiz und Fleiß überwunden werden um das Beste aus dem Leben zu schöpfen. Der zweite Weltkrieg hat ihre Eltern schwer gezeichnet. Schwer verletzt kehrte der Vater zurück, er verlor einen Arm, was sein Leben und das Leben seiner Familie erheblich beeinträchtigte. Die Mutter war Kriegsflüchtling. Sie musste ihre Familie zurücklassen und verlor die Ostpreußische Heimat. Selbst ihre Religion blieb ihr nicht erhalten. Um ihren Mann heiraten zu dürfen, konvertierte Heidemarie  zum Katholizismus. Mischehen zwischen evangelischen and katholischen Christen waren damals nicht erlaubt.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Die Tatsache, dass der Vater einer Gundelsdorfer Unternehmer- und Bauernfamilie entstammte, hat das Leben der Familie nicht erleichtert. Durch die Kriegsverletzung konnte ihr Vater keinen üblichen Berufsweg einschlagen. Um seine Frau und fünf Kinder zu ernähren, baute er Erdbeerfelder an, verkaufte Erdbeerpflanzen im Sommer und Christbäume im Winter. Als „Ananas Toni“* war er weit und breit bekannt: Der Pionier des Erdbeeranbaus in Gundelsdorf. Selbständigkeit floss seit Generationen in den Adern seiner Familie. Mit diesem Selbstverständnis baute der Vater trotz der Beeinträchtigung eine eigene Existenz auf.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Wie ein roter Faden zogen sich Entbehrungen und Bescheidenheit durch Heidemaries Kindheit. Die Zeiten waren grausam. Mit der Arbeit auf dem Feld und dem Schlachten des Federviehs auf dem elterlichen Bauernhof ihres Ehemannes leistete die Mutter ihren Beitrag zum äußerst bescheidenen Lebensunterhalt.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Essen war knapp. Das Leiden der Mutter and der ewig kämpfende Vater erweckten in Heidemarie das starke Verlangen nach einem anderen Lebensweg.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Heidemarie sah Bildung als einzigen Weg um aus den armseligen Verhältnissen und in finanzielle Stabilität zu gelangen. Nur harte Arbeit und Weiterbildung würden Erfolg, Würde und Zufriedenheit bescheren. Doch die Gundelsdorfer Schule bot keinen guten Start. Den Nachkriegszeiten entsprechend gab es nur ein Klassenzimmer. Die Schule lief im Schichtbetrieb: Morgens hatten die Kleinen Unterricht und nachmittags die Großen. Lernen wurde aus heutiger Sicht stiefmütterlich verfolgt. Unterrichtsstunden wurden u. a. zum Holz anrichten genutzt, manchmal auch um beim Bäcker Proviant für den Lehrer zu holen. Von der Dorfschule ging Heidemarie nach Augsburg in die Mittelschule (der heutigen Realschule). Sie träumte davon Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin zu werden. Dazu hätte sie studieren müssen. Das war finanziell nicht denkbar. Bei der Post in München nahm sie eine Stelle an. Tagsüber arbeitete und nachts studierte sie, so verfolgte sie konsequent ihr Ziel sich weiterzubilden.  Als erstes machte sie am Abendgymnasium ihr Abitur und später erreichte sie an der Sabel-Akademie München ihren Abschluss als Praktischer Betriebswirt. Im Jahr 1977 heiratete sie Dr. Friedich Schumacher - da hatte sie bereits 13 Jahre gearbeitet und eine Weltreise unternommen. Mit den Geburten der zwei Töchter, widmete sie sich einige Jahre der Familie.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Als die Kinder 5 und 6 Jahre alt waren, nahm sie eine Halbtagsstelle bei einem Weltkonzern in München an. Obwohl sie klein anfing, erreichte sie durch Weiterbildung and harte Arbeit den erwünschten Erfolg. Heidemarie Schumacher verkörpert den Spruch „Man lernt nie aus“. Nach dem Auszug der beiden Mädchen, studierte sie Politikwissenschaft an der LMU in München. Da die Vorlesungen erst um 16 Uhr begannen, konnte sie das Studium mit ihrer Arbeit perfekt verbinden. Im Jahre 2012 schloss sie das Studium ab. Vier Monate nach dem sie in Rente ging, absolvierte sie die letzte Prüfung.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Stolz und zufrieden blickt sie auf wunderbare Berufsjahre zurück, bereichert durch internationale Verbindungen und einen Aufenthalt in den USA an der Johns Hopkins University in Washington. 
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Seit 6 Jahren engagiert sie sich als Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Sprachförderung und Alphabetisierung für Flüchtlinge an der Grund- und Mittelschule Pöttmes. Was möchte sie den Kindern mitgeben? Sprache und Werte. Als junges Mädchen wollte Heidemarie Lehrerin werden. Nun, nach einer erfolgreichen Karriere in der Wirtschaft, verwirklicht sie diesen Traum, Kindern durch Bildung Aussicht auf bessere Chancen im Leben zu vermitteln. Ihr ist es wichtig ihre Lebensweisheit weiterzugeben: Bildung ist Macht. Anstatt sich machtlos Lebensumständen zu unterwerfen, kann Bildung zu einem neuen, besseren und in Zufriedenheit geführtem Leben führen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          *(im Volksmund hießen Erdbeeren Ananas)
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 18 Sep 2023 11:50:18 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Zufrieden sein, darauf kommt es an</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/aloisarzberger</link>
      <description>Alois Arzberger</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Alois Arzberger (*20.Juni 1942)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  
         Alois Arzberger wuchs auf dem elterlichen Hof in Schönbach auf. Er kam in harten Zeiten auf die Welt, im Jahre 1942 mitten im Krieg. Von neun Geschwistern überlebten nur sechs. Während des Krieges und noch in den Nachkriegsjahren waren Medikamente knapp, so dass zwei Geschwister im Kleinkindalter an Krankheiten starben, die medikamentös gut behandelbar gewesen wären. Sie waren „pumperlgsund“, meinte die Mutter, und hätten bei entsprechender Behandlung sicherlich überlebt. Kindersterben war keine Seltenheit, und wurde stoisch akzeptiert: „Der Herr hat’s gegeben; der Herr hat’s genommen“.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Ein weiterer Schicksalsschlag traf Alois, als seine Lieblingsschwester tödlich verunglückte. Damals, im Jahre 1949, feierte der Schützenverein „Grüne Eiche“ in Schönbach ein großes Gartenfest. Neugierig lief der siebenjährige Junge mit dem Schwesterchen Richtung Nachbar. Barfuß rannten sie über die Wiese an einem Schuppen vorbei, wo Heimatvertriebene untergebracht waren. Plötzlich schrie die kleine Leni und fiel zu Boden. Alois dachte sie hätte den Fuß an einer Glasscherbe verletzt und eilte herbei ihr zu helfen. In dem Moment als er versuchte sie aufzuheben, traf ihn ein Stromschlag. Da verstand er: Leni war auf eine nicht geerdete Stromleitung getreten. Sie starb auf der Stelle. „Wir waren ein Herz und eine Seele.“ Ein solches Erlebnis in jungen Jahren prägt. Schicksalsschläge zu überwinden, meint Alois Arzberger „hat viel mit Glauben zu tun“. Als ein Mann, der im Glauben lebt, diente der 81-Jährige drei Jahrzehnte als Kirchenpfleger in der Pfarrei Echsheim-Reicherstein.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Wer auf einem Hof aufwächst, versteht es von Kindesbeinen an zu arbeiten. Acht Jahre lang besuchte Alois die Volksschule in Igenhausen. Nach Schulschluss war es selbstverständlich, dass Bauernkinder auf dem Hof halfen. So auch Alois. Die Tätigkeit, von der er heute noch schwärmt, ist das Brot backen. Begeistert zählt er akribisch die aufwändige Vorgehensweise auf: Vom Anrühren, zum Kneten, gehen lassen, Laibe formen bis zum Abbacken.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
          
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Brot war das Grundnahrungsmittel der Bauern. Auf dem Arzberger Hof lebte die Großfamilie: 6 Kinder und die Eltern, 5 Dienstboten, 3 Mägde, 2 Knechte, und für die Bearbeitung und Bestellung der Felder waren viele Tagelöhner zu versorgen. „Darum brauchte man viel Brot.“ Jeder Laib wurde vor dem Anschneiden mit 3 Kreuzen auf dem Rücken versehen, in Gedenken daran, dass Brot eine Gottesgabe und lebenswichtig war. Verschwendung gab es nicht. Man lebte damals nachhaltig. Nach dem Backen wurde die Resthitze des Ofens, im Sommer zum Dörren von Birnen, Äpfeln und Zwetschgen und im Winter, zum Garen von Zwiebelkuchen, genutzt.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Erst 1964 wurde das Brotbacken eingestellt.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit dem Einsatz von Geräten und Traktoren gehörten Dienstboten und Tagelöhner der Vergangenheit an, das verringerte den täglichen Bedarf an Brot.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Für die landwirtschaftliche Lehre besuchte Alois Arzberger die Berufsschulen in Affing und Aichach. Schließlich gelang es ihm bei der Elitelandwirtschaftsschule in St. Ottilien (St. Ottilien liegt rund 40 km westlich von München und 35 km südlich von Augsburg) aufgenommen zu werden. Sein Vater war von der Landwirtschaftslehre nicht begeistert. Aber letztendlich setzte sich der Sohn durch. Ein Jahr nach seinem Abschluss, absolvierte er ein Auslandspraktikum in Frankreich: Drei Monate bei Bordeaux und drei Monate bei Metz. Nach der Heimkehr kümmerte sich Alois Arzberger um die landwirtschaftliche Verwaltung am Hof. In Igenhausen lernte Alois Arzberger seine Sophia, geborene Egger, kennen und lieben. Sie heirateten 1971. Das Paar bekam 4 Kinder und hat mittlerweile 9 Enkelkinder.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Dass der ererbte landwirtschaftliche Betrieb in Echsheim, als Lebensunterhalt für eine Familie zu betreiben, nicht zukunftsfähig sei, erkannte der damals 30-jährige und schulte um auf Elektromechanik-Elektronik.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Diesen Beruf übte Alois Arzberger bis zur Rente bei Grundig und Kuka Roboter aus.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         „Das Leben geht nur in Gemeinschaft“, sagt der alte Herr. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben: 28 Jahre diente er als Vorstand der Echsheimer Feuerwehr, davon 21 Jahre als Kommandant. 18 Jahre war er ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht in Augsburg und 30 Jahre Verbandsrat beim Wasserzweckverband Thierhaupten. Alois Arzberger blickt auf eine über 20-jährige Gemeinderatstätigkeit in der Marktgemeinde Pöttmes und in dieser Zeit auf einige Jahre als Kreisrat im Kreistag des Landkreises Aichach zurück.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Heute verbringt der engagierte Rentner viel Zeit im Einsatz mit den Enkeln, im Garten, wo die Blumen auf die morgendliche Begrüßung warten: „Wie schön bist Du heut“ und mit der Fotografie. Mit zehn Jahren bekam er die erste Kamera. Unzählige Fotos dokumentieren sein Leben und die Heimat im Wandel der Zeit. Sie sprechen Bände.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Zurückblickend resümiert Alois Arzberger voller Dankbarkeit: „Zufrieden sein, darauf kommt es an.“
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 28 Jul 2023 09:17:30 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Dank der Gnade Gottes  leben und überleben</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/lotharheinhold</link>
      <description>Lothar Heinhold</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Lothar Heinhold (*15.Mai 1924)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  
         Lothar Heinhold wurde vor 99 Jahren in Waldenburg, Schlesien, dem heutigen Walbrzych in Polen geboren. Heute, von seinem Zimmer im Caritas-Pflegezentrum St.Hildegard in Pöttmes, aus, blickt er zurück auf ein langes Leben, geprägt von historischen Ereignissen, die nicht nur ihn, sondern die ganze Welt verändert zurückließen.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg herrschte Armut, Not und Arbeitslosigkeit; viele hungerten. Als Lokführer war Lothars Vater Beamter, er verdiente nicht viel, aber selbst in diesen schweren Zeiten kam die Familie über die Runden. Seine Kindheit und Jugend waren schön und unbeschwert. Die ersten Schatten kamen 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten auf. Die Schule und die Kirche unterlagen zunehmend ideologischem Druck. Ehrliche Meinungsäußerungen verstummten in Gegenwart von Spitzeln, die auch die Predigten überwachten. Nur die Mutigen riskierten mit Anti-Nazi Aussagen Verhör und Gefängnis.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Mit achtzehn Jahren, kurz vor dem Abitur, wurde Lothar zu den Pionieren nach Breslau eingezogen. Nach der Rekrutenzeit wurde er zusammen mit anderen Abiturienten in die Batallionsschule abkommandiert. Das bedeutete hartes Training, körperliche und psychologische Vorbereitung auf die folgende Frontbewährung, auch als „Himmelfahrts-kommando“ bekannt. Ende April 1944 kam dann der Kriegseinsatz in Russland: Lothar verließ die Heimat für immer.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Diese Kriegszeit an der Front war jeden Tag ein zum Scheitern verurteilter Versuch den ständigen Vormarsch der Russen einzudämmen: Man sprengte Brücken und verlegte Minen, bei Frost und Hitze, mit dürftiger Ausrüstung, Kleidung und schlechtem Schuhwerk. Viel Leid und auch der Tod waren allgegenwärtig.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Am 8. Mai 1945 um 23 Uhr trat die bedingungslose Kapitulation Deutschlands in Kraft und für Lothar Heinhold und seine Kompanie begann als Kriegsgefangene der lange Marsch in das Sammellager vor Deutsch-Eylau, Westpreußen, dem heutigen Ilawa in der Polnischen Woiwodschaft Emland-Masuren. Die Erleichterung, dass die Schrecken des Krieges vorbei waren, „verwandelte sich schnell in tiefe Depression, aber auch ohnmächtige Wut“ als die Truppen auf zurückgebliebene Deutsche trafen. „Halb verhungerte Frauen und Kinder drängten sich an unsere Kolonne, bettelten um Lebensmittel und erzählten von den unbeschreiblichen Exzessen und Vergewaltigungen, denen sie ausgesetzt waren“, erzählt der alte Herr. Im Juni hieß es Abmarsch zum naheliegenden Bahnhof zum Weitertransport. Keiner wusste wohin. Auf den Zug wartend, trat eine totale Sonnenfinsternis ein. Ein schlechtes Vorzeichen.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         In geschlossenen Güterwagons ging der Transport nach Chlebnikowo (Kaliningrad), in der Nähe von Moskau. Dort bezogen die Gefangenen das Lager, wo sie registriert wurden und man ihnen sämtliche Körperhaare abrasierte.  Zwecks Arbeitsfähigkeit wurde der Gesundheitsgrad von einem Arzt untersucht und die Gefangenen nach Berufsgruppen unterteilt. Da Lothar Heinhold als Schüler eingezogen wurde und keine Ausbildung hatte, gehörte er zu den „Tschorni Robotschik“, (ungelernte Arbeiter). Er wurde zuerst als Schichtarbeiter in einer Ziegelei eingesetzt. Zehn Stunden harte körperliche Arbeit am Tag, 7 Tage die Woche bei ständigem Hunger. Viele arbeiteten im Schneckentempo. „Wir mussten unsere Kräfte schonen, denn es ging um‘s Überleben“, erinnert der 99zig Jährige.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Wegen Krankheit und Erschöpfung wurde er dem Waldkommando zugeordnet. Die Waldarbeit brachte große Vorteile. Man konnte sich unbeobachtet bewegen, die Ernährung mit Pilzen und Beeren aufbessern und als die Kartoffeln reif wurden, sich mit den heimlich gestohlenen Erdäpfeln eine Zusatzverpflegung beschaffen. Diese sorglose Zeit ohne Hunger endete mit der Rückkehr ins Lager Chlebnikowo im Spätherbst.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Dort angekommen, erschrak er, als er die ausgemergelten Gestalten seiner Kameraden sah. Nur die Hälfte der ehemaligen Belegung hatte überlebt. Bei Schwerstarbeit auf Baustellen außerhalb des Lagers und minimaler Verpflegung, oft bei Temperaturen unter -25 °C, war die Todesrate hoch, vor allem unter ganz jungen and ganz alten Gefangenen. Manche erst 15 Jahre alt und andere über 70. Die unhygienischen Verhältnisse im Lager waren unbeschreiblich: Waschen war im Winter unmöglich und die Kleidung übersät mit Wanzen und Läusen. „In dieser Zeit,“ berichtet Lothar Heinhold, „befanden wir uns seelisch und geistig nahezu auf dem Stand eines Tieres. Stumpf und teilnahmslos war alles nur noch auf Nahrungssuche und Ruhe ausgerichtet“.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         So vergingen drei Jahre mit Zwangsarbeit, Hunger, Krankheit und unmenschlichen Zuständen, bis Lothar Heinhold endlich am 9. August 1948, aus der Gefangenschaft entlassen wurde. Frei war „nicht irgendwelchen Mächten und Personen ausgeliefert sein, sondern wieder Rechte zu besitzen, eigenständig zu handeln und sich frei zu bewegen“. Das kann keiner nachvollziehen, der es nicht selbst schon erlebt hat, erinnert er sich. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein unschätzbar kostbares Gut.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Lothar Heinhold ist ein zutiefst gläubiger Mensch. Er dankt dem Herrgott noch heute, dass er alles überstanden hat. Von jungen Jahren an, durch die Schulzeit, den Krieg, Gefangenschaft, und das weitere Leben, im Ingenieur Studium und Beruf, spielte die Kirche und die Kolpingfamilie, bei der er die Frau seines Lebens fand, eine große Rolle. Bei vielen Erlebnissen hat Lothar Heinhold die schützende Hand Gottes verspürt und die Bedeutung des Lobliedes: „In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet“ persönlich erfahren.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Lothar Heinhold sieht sich nicht als Opfer schwerer Schicksalsschläge, sondern als Empfänger der Gnade Gottes.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nun lebt der alte Herr zufrieden und dankbar in Pöttmes und erfreut sich an seinen 3 Kindern, 6 Enkeln und 12 Urenkeln. Selbst im hohen Alter ist er digital unterwegs, korrespondiert mit der Familie per E-Mail und informiert sich am Computer über Weltereignisse.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Eine bewundernswerte Persönlichkeit, die dem Leben, trotz Zeiten großer Entbehrungen stets mit Interesse und Humor begegnet.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 30 Jun 2023 09:17:19 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Mit einem Lächeln lebt es sich leichter</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/othmarkahlig</link>
      <description>Othmar Kahlig</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Othmar Kahlig (geb. 1.6.41)
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Drei Jahre nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht (1939) in der Tschechoslowakei erblickte Othmar Kahlig in Petersdorf (heute Hraničné Petrovice) an der deutsch-tschechischen Grenze das Licht der Welt. Damals, in 1941, trug seine Mutter die Last der Verantwortung für Hof, Kinder und Großeltern alleine. Der Vater war im Krieg. Während der Kriegsjahre herrschte  Unsicherheit und Angst. Zwar befreiten 1946 die Alliierten die damalige Tschechoslowakei von der Deutschen Wehrmacht. Dennoch wurde zwischen den Großmächten, USA und Russland, bzgl. Herrschaft über die Region verhandelt. Am Karfreitag 1946
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          betrat ein bewaffneter Mann den Hof und sagte auf tschechisch: „Ted’ je to moje“ (Jetzt gehört das mir). Unverzüglich musste die fünfköpfige Familie Kahlig mit dem neugeborenem Brüderlein den Hof verlassen und bis auf die Kleidung, die sie am Leibe
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          trugen das gesamtes Hab und Gut zurücklassen. Ihr Schicksal: Vertreibung! In Viehwaggons gepfercht, brachte der Zug die
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Heimatvertriebenen ins Ungewisse. Die Enge und Dunkelheit im Waggon, der Eimer in der Ecke für die Notdurft und wie er, der damals fünfjährige Othmar, hochgehoben wurde und durch den Lichtschlitz zum ersten und letzten Mal in seinem Leben die Stadt Prag sah, das erinnert Pfarrer Kahlig wie heute. Nach zwei Tagen hielt der Zug in Furth im Wald an. Amerikanische Soldaten nahmen die Flüchtlinge in ihre Obhut. Entlaust, der tschechischen Papieren entledigt und mit deutschen Papieren ausgestattet,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          ging es weiter nach Augsburg und Schwabmünchen. Im Herbst des Jahres zog Familie Kahlig in Langerringen in einen ihnen zugewiesenen Hof. Der Vater fand Arbeit bei einer Baufirma in Augsburg. Schon als kleiner Junge fühlte sich Othmar Kahlig in
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          der Kirche heimisch. Täglich besuchte er vor seinem halbstündigen Fußmarsch zur Schule die Heilige Messe. Sein sehnlichster Wunsch war es, Ministrant zu werden. Mehrmals fragte er beim Pfarrer nach erhielt aber nie eine Antwort. Schließlich hieß es:
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Flüchtlingskinder sind unerwünscht. Den Schmerz spürt der Pfarrer noch heute. Nach der 5. Klasse setzte sich ein neuer Pfarrer dafür ein, dass Othmar Kahlig ins Gymnasium kam. Er besuchte St. Stephan in Augsburg und war glücklich. Allein der Unterricht in Latein und Griechisch waren für ihn eine besondere Herausforderung. In der neunten Klasse mussten alle Schüler aufschreiben, was sie mal werden möchten. Für Othmar Kahlig war es damals schon ganz klar: Pfarrer. Er studierte in Dillingen und wurde 1967 zum Priester geweiht. Das Leben als Priester heißt: Immer auf Abruf sein, dem Willen der Kirche folgen und
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          dorthin gehen wo man hingeschickt wird. Am 1. August 1967 kam Othmar Kahlig als Aushilfspfarrer nach Schiltberg um den herzkranken Osterzhauser Pfarrer mit der Arbeit in den umliegenden Gemeinden und in den Schulen zu unterstützen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Obwohl er nur ein halbes Jahr diese Stelle inne hatte, blieben unvergessliche Momente: Bei einer Autofahrt mit der Schwester vom Pfarrer und einer Bekannten kippte das Auto auf dem schneebedeckten Waldweg und landete auf dem Dach. Man erzählt noch heute: „Pfarrer Kahlig hat zwei Pfarrhaushälterinnen dazu gebracht, einen Kopfstand im Auto zu machen!“ Oder:
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Beim Traugespräch mit einem Brautpaar brach plötzlich mit einem gewaltigen Knall die Toilette vom Obergeschoss durch die Decke hinunter. Die Reise als Priester führte ihn als Benefiziat über Öttingen im Ries nach Kaufbeuren und schließlich von 1986-2011 als Pfarrer nach Gundelsdorf. Nun lebt er seit 10 Jahren im Ruhestand (i.R. = in Rufweite/in Reichweite ;-) in Pöttmes.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ostern 2020-Gottesdienst für Hs Hildegard,:Ein Witz zum Ende des Gottesdienstes für die Hausbewohner
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Heute blickt Pfarrer Kahlig zurück und erkennt, dass die Kirche von Kindesbeinen an sein Leitstern war. Als einst vertriebenes, der Heimat beraubtes Kind fand er dort Geborgenheit; als Erwachsener, seinen Platz im Hause Gottes. Dass das Priestertum sein
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Opfer verlangt, immer gehorchen, immer „doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ leben, hat er selbstverständlich akzeptiert. Und die große Liebe? Pfarrer Kahlig erzählt, er hätte nie das Gefühl gehabt etwas versäumt zu haben. Was zählte, war nicht seine Person, sondern die Seelsorge in der Gemeinde und der Gemeinschaft im Dienst der Kirche. Er musste stets viel  arbeiten, Zeit zum Grübeln gab es kaum. Und mit Humor gewappnet, lebt es sich leichter. Bei Krankenbesuchen setzt der Pfarrer
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Witze als Medizin ein; zum Ende eines Gottesdienstes entlässt er die Kirchgänger mit dem Segen und einem Lächeln. Gerne stöbert er durch die vielen Fotos, die er als leidenschaftlicher Fotograf über die Jahrzehnte knipste – eine visuelle Dokumentation der Pfarreien und Menschen, die ihn durchs Leben begleiteten.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Trotz Ruhestand, kommt Pfarrer Kahlig nicht unbedingt zur Ruhe. Als Aushilfe ist er noch oft im Einsatz. Einmal Pfarrer, immer Pfarrer.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 12 Apr 2023 14:41:39 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Mit Leib und Seele Goldschmiedin</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/katharinawolke</link>
      <description>Katharina Wolke (geborene Stählin)</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Katharina Wolke (geborene Stählin) * 17.September 1943
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die ersten Töne, die Katharina Wolke hörte, waren heulende Sirenen, welche die Luftangriffe in Rothenburg ob der Tauber ankündigten. Dort, im September 1943, wurde sie im Keller des Krankenhauses zur Welt gebracht. Diese Kriegstöne begleiteten die ersten Jahre ihres Lebens.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Katharinas Vater war Pfarrer in der Gemeinde Neusitz. Die Familie wohnte im Pfarrhaus, neben dem Friedhof, wo die kleine Katharina öfters ihre Stoffpuppe im Puppenwagen um die Gräber fuhr. Schon sehr früh zeigte Katharina einen Sinn für Ästhetik. Das Mädchen sah ein betendes Stein-Engelchen an einem Kindesgrab. Es war locker und leicht zu entfernen. Kurzum legte sie das Engelchen neben ihre Puppe und fuhr beide spazieren. „Sie waren ein geniales Paar“, lächelt die fast Achtzigjährige.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Die Eltern waren streng, Pfarrerskinder hatten brav zu sein. Und die Zeiten waren hart. In einer Predigt hatte Katharinas Vater Worte gegen das Naziregime und Hitler gesprochen. Kurz darauf wurde er von der Kanzel weg verhaftet. Seine Frau und die drei Kinder bangten um sein Leben. Durch den Einfluss des Großvaters väterlicherseits, der Bischof war, kam er heil aus dem Gefängnis. Katharina erinnert sich heute noch mit Freude an die Worte „Das Vaterle ist wieder da“. Der Krieg ging zu Ende, das Leben in der Pfarrei lief seinen Lauf. Eines Tages kam ein schöner junger Mann in die Pfarrei, um einen silbernen Oblatenteller abzugeben. Es war Liebe auf den ersten Blick für Katharina – die Liebe galt aber nicht dem Schönling, sondern dem silbernen Teller. Davon tief beeindruckt war ihr klar: Sie wollte Goldschmiedin werden.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Der Weg dahin war schwer. Es gab zwei Hindernisse: Zum einen litt Katharina an Dyskalkulie, einer Rechenschwäche. Somit war ein Abitur mit Mathematik oder eine Lehre, die den Umgang mit Zahlen erforderte, für sie unerreichbar. Zum anderen verbot ihr der Vater die Ausbildung zur Goldschmiedin. Die Familie wohnte damals in München. Der Vater hatte den Beruf zum Psychoanalytiker gewechselt. So war er auf eine andere Art weiterhin als Seelsorger tätig. Sprachen und Kunst waren in der Schule Katharinas Stärken, aber Mathematik eine Katastrophe. Zum Glück traf Katharina auf einen Mathematiklehrer, der ihre Rechenschwäche als Lernbehinderung erkannte und ihr half, die zur mittleren Reife erforderlichen Noten zu erzielen. Danach war die große Frage: Was nun? Der Vater arrangierte in Breisgau eine Ausbildung zur Krankengymnastin, die Katharina absolvierte und gehorsam in dem Beruf arbeitete. Aber die Tätigkeit war ihr fremd, zu nahe am Menschen, keine Distanz. Nach wie vor schlug ihr Herz für die Goldschmiedearbeit.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Sie beschloss, nach Berlin zu gehen, wo sie von 1966 bis 1968 die Goldschmiedeklasse der Akademie für Werkkunst und Mode besuchte. Das Studium finanzierte sie mit Privatpatienten.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihr künstlerischer Werdegang entfaltete sich anschließend aus einer Reihe außergewöhnlicher Fügungen. Eine Keramikerin, die Arbeiten für die Pfarrei ihres Vaters anfertigte, hatte in der Kunstakademie in München ein Atelier. Sie bat Katharina, für ein Porträt Modell zu sitzen. Die Atmosphäre an der Akademie war für die junge Frau
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          der Himmel auf Erden. Sie traf unterschiedliche Künstler und durfte sogar einige Wochen der Klasse für Goldschmiedekunst beiwohnen. Der unterrichtende Professor erkannte ihr Talent und schließlich bekam sie an der Akademie der Bildenden Künste einen Studienplatz. Die Akademie hat auch ihr persönliches Leben vorgezeichnet: Sie lernte ihren Mann kennen. Damals suchte sie ein Geschenk für eine Freundin. Man schickte sie in den Keller, zum Meisteratelier von Reinhart Wolke. Sie fand auch das passende Stück. Der Künstler hatte sofort ein Auge auf sie geworfen, verlangte aber viel Geld dafür. Zuviel, gab er später zu. Sie sollte in Raten bezahlen. Somit kam Katharina öfters zu ihm ins Atelier. Die letzte Rate wollte er bei ihr daheim abholen. Das tat er und macht ihr gleichzeitig einen Heiratsantrag.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Sie wurden ein Paar. Zu der Zeit wohnte Reinhart in einem ausgebauten Kuhstall in Planegg bei München. Katharina war absolut begeistert. Es waren die unkonventionellen 68er Jahre. In der ersten gemeinsamen Wohnung bestand das Ehebett aus einer ehemaligen Kuhtränke mit einem Brett darüber und eine Matratze darauf. Und das Klo? Da musste man bei Schnee und Wetter einmal ums Haus - zum Plumpsklo. Als das dritte Kind unterwegs war, wurde es allmählich Zeit, eine Wohnung zu finden. Im Jahre 1974 zog die Familie nach Osterzhausen in das alte Schulhaus, wo das Künstlerehepaar mit den drei Kindern glücklich zusammen lebte.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Reinhart Wolke war bis ins Knochenmark Künstler. „Künstler sind von Natur aus spirituelle Menschen“, meint Katharina und so akzeptierte sie seine Zugehörigkeit zur *Subud-Gemeinschaft. 1989 ging die Ehe friedlich auseinander: Reinhart wanderte nach Indonesien aus. Zufrieden in Osterzhausen, blieb Katharina nach der Scheidung dort und verdiente den Familienunterhalt als freischaffende Schmuckgestalterin.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Heute blickt sie auf ein reiches und erfülltes Leben zurück. Sie fühlt sich wohl im alten Schulhaus, neben der Kirche und dem Friedhof, wo die Klänge ihrer Kindheit, die Kirchenglocken und Orgelmusik, sie glücklich stimmen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      
           Interview und Text: Mary-Ann Stotko
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Portrait und Lektorat: Ludwiga Baronin Herman
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 17 Jan 2023 15:19:57 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Elektriker, mit Leib und Seele - im Wandel der Zeit</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/rudolfdiwo</link>
      <description>Rudolf Diwo  
* 11.01.1943, † 7.05.2022</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Rudolf Diwo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Rudolf Diwo erblickte am 11 Januar 1943 im Zimmer 1 des Pöttmeser Krankenhauses das Licht der Welt. Sein Vater arbeitete als Unterverwalter am Dieshof, welcher damals zu Schloss Schorn gehörte. Seine deutsch-sprachigen Eltern stammten aus Cenei, einem geschichtsträchtigen Dorf der österreichisch-ungarischen Monarchie, das im Jahre 1924 dem damaligen Königreich Rumänien zugeteilt wurde.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Kurz nach Diwos Geburt, musste sein Vater in den Krieg ziehen. Als er drei Jahre später zurückkehrte, war er dem Sohn völlig fremd. Zu der Zeit wohnten Rudolf und seine Mutter in Pöttmes, im „Viertel“ bei der Schwedenstraße. Die Mutter brachte vier Kinder zur Welt. Nur Rudolf überlebte. Er besuchte die Schule in Pöttmes, die ersten drei Jahre in der sogenannten ‚Ratzenschule‘, welche sich die Räumlichkeiten mit der Feuerwehr und dem Leichenwagen teilte. Danach fand der Unterricht im ‚Unteren Torbogen‘ statt. Sieben Jahre lang hatte Rudolf denselben Lehrer, mit dem er bis zu dessen Tod im engen Kontakt stand.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Nach der 8. Klasse absolvierte Rudolf eine Ausbildung zum Radiomechaniker. Mit der Entwicklung neuer Technologien änderte sich dieser Beruf zum Fernsehtechniker, Radio- und Videoelektroniker und schließlich zum heutigen Kommunikationselektroniker. Rudolf fand als qualifizierter Radiomechaniker Arbeit in Ingolstadt und später in einer leitenden Position bei Ziegler in Pöttmes. Als dieser sein Unternehmen aufgab, war Rudolf 50 Jahre alt. Viele Möglichkeiten gab es nicht: Er machte sich selbstständig und öffnete ein Elektrogeschäft in Pöttmes. Die Anfangsjahre liefen gut, die Kundschaft hat er gerne beraten und geholfen, wo er konnte. Er verkaufte alles von den einfachsten Sicherungen bis zum hoch modernen Fernsehgerät, Wasch- und Spülmaschinen oder Kühlgeräte. Das Geschäft war ein Ort, wo Einkaufen öfter mit einem Schwätzchen verbunden war. Rudolf kannte seine Kundschaft. Viele kamen aus den umliegenden Ortschaften.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Aber die Zeiten änderten sich. Die rasanten technologischen Entwicklungen hinterließen tiefe Spuren, in den Berufen, im Konsumverhalten der Kunden und zwangsläufig auch in der Gesellschaft. „Unser Beruf ist nimmer gefragt,“ sagte er. Die vielen Weiterbildungen machten immer deutlicher, wie kurzlebig Elektroprodukte sind: konzipiert und konstruiert, um das Zerlegen und Reparieren fast unmöglich zu machen. Früher wurden neue Elektroteile beschrieben und mit den Schaltplänen geliefert. Da konnte der Elektrotechniker mit den neuen Entwicklungen mithalten. „Die Elektronik war manchmal „hinterfotzig“, aber das hat man im Griff gehabt“, meinte er. Das gibt es nicht mehr, der Reparateur steht, so sagt Rudolf Diwo „in einem schwarzen Loch“. Ziel ist es, den Kunden ein neues Gerät zu verkaufen. Für einen lösungsorientierten Menschen wie Rudolf Diwo, der mit Leidenschaft kaputte Teile zum Laufen gebracht hat, war diese Wende schwierig.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Kleine Geschäfte können nicht mit Supermärkten, Baumärkten und Elektronikkaufhäusern konkurrieren. Die Kundschaft wählt die bequemste Möglichkeit, und kauft dort ein, wo sie in einem Geschäft möglichst viele Einkäufe gleichzeitig erledigen können. Und seit Corona, lässt man sich verstärkt die Produkte bis an die Haustür liefern. Fort gehen zum Einkaufen erübrigt sich. Rudolf Diwo blickte auf seine berufliche Laufbahn zurück, und erzählte schwermütig über die Folgen, die die technologischen Entwicklungen in seiner Branche ausgelöst haben: Es ist eine Wegwerfgesellschaft entstanden, nach der Devise, stets neue Produkte zu kaufen, weil eine Reparatur nicht möglich ist, oder sich nicht lohnt. Das soziale Rundum in Kleinläden, wo man sich kennt, und ein Austausch stattfindet, geht verloren. Das ist der Lauf der Dinge.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Rudolf Diwo verstarb am 7. Mai 2022
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
           
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Das Interview konnte noch am 7. April 2022 gemacht werden. Wir sind sehr dankbar für diesen zeitgeschichtlich so wertvollen Beitrag.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      
           Interview und Text: Mary-Ann Stotko
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Portrait und Lektorat: Ludwiga Baronin Herman
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 25 Nov 2022 14:53:49 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>als Geschäftsmann und Naturschützer, in der Wolle gefärbt</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/helmutschenke</link>
      <description>Helmut Schenke</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Helmut Schenke
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  
         Helmut Schenke wurde am 3. Oktober 1932 in Bremen geboren. Die Kriegserinnerungen aus seiner Schulzeit schildert der heute Neunzigjährige mit einer Klarheit als wären die Ereignisse erst kürzlich geschehen: Hamburg in Flammen; die Zugreise ins Ungewisse, als der damals 12-Jährige, anstatt seinen ersten Tag im Gymnasium zu begehen, mitsamt der ganzen Schule aus Bremen evakuiert und bei Pflegefamilien im Sächsischen Freiberg untergebracht wurde; Oktober 1944, die Luftangriffe auf Freiberg, die 172 Menschen das Leben kosteten. 
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schon in jungen Jahren beschäftigte sich Helmut Schenke mit der Natur. Als der Junge aus der flachen Hafenstadt Bremen, die von Bergbau geprägte Stadt Freiberg entdeckte, war er fasziniert. Mit seinem „Geologenhammer“, wie er sein Werkzeug nannte, und Rucksack zog er oft los, um Steine zu erkunden. So verdiente er sich sein erstes Geld mit dem Verkauf seiner Fundstücke an die Freiberger Bergakademie.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Weihnachten 1944 kehrte Helmut Schenke nach Bremen zurück. Nach der mittleren Reife, stets von Naturerzeugnissen begeistert, tauchte er in die Welt der Wolle ein und absolvierte eine Lehre als Wollkaufmann. Seine Leidenschaft für Wolle, wenn er von hochgerechnet 30.000 verschiedenen Wollsorten aus aller Welt, ihre Eigenschaften und welche Produkte man daraus herstellen kann, erzählt, kommt in seiner Stimme zum Ausdruck.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Jahre 1964 machte er sich selbstständig als Wollimporteur und Inhaber der Firma Schenke + Co. und 1985 gründete er die Schenke GmbH Pöttmes, eine Groß- und Einzelhandelsfirma, die mit Produkten aus Schafswolle und anderen Naturfasern handelte. Mit zunehmendem Alter zog Helmut Schenke sich 
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           nach und nach aus dem Geschäftsleben zurück und verkaufte beide Firmen. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Er blickt zurück auf ein von harter Arbeit, viel Erfolg und auch Segen geprägtem Leben. Über sein Geschäftsleben meint er: „Ich bin in der Wolle glücklich geworden“. Und privat? Lächelnd fügt er hinzu, dass seine Liebesgeschichte mit Ehefrau Ute bis heute „schön und besonders“ ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als Familie Schenke 1967 nach Pöttmes auf den Gumppenberg zog, suchten sie ein neues Domizil mit freiem Auslauf für ihre zwei Kinder, wo sie mit der Natur leben und deren Belangen groß werden konnten. Hier konnte Helmut Schenke seine Naturinteressen voll einsetzen und Naturschutz als Hobby ausüben. 1990 übersiedelten die Schenkes in den Markt Pöttmes. Dort verwandelten sie ein altes renovierungsbedürftiges Anwesen in eine grüne Oase: Ihr Heim, seit dreißig Jahren auch Zufluchtsort für Wildvögel und andere Wildtiere. Schenkes pflegen und versorgen verletzte und elternlose Jungtiere.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für sein Engagement in mehrere Naturschutz Organisationen und im Marktgemeinderat Pöttmes wurden Helmut Schenke einige Ehrungen verliehen, erst kürzlich am 6. Oktober 2022 die Gold Medaille des Marktes Pöttmes.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      
           Interview und Text: Mary-Ann Stotko
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Portrait und Lektorat: Ludwiga Baronin Herman
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 20 Nov 2022 14:33:14 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Das Kaschtnbauer-Haus und Familie Paula</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/karolinepaula</link>
      <description>Karolina Paula</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Karolina Paula
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  
         Ganz nah an die große Pöttmeser Pfarrkirche St. Peter und Paul fügt sich das Kaschtnbauer-Haus mit seinen dunkelgrünen Fensterläden. Ein Anwesen, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Paula ist. Hüterin der Familiengeschichte ist Karolina Paula. Seit dem Tod ihres Mannes, dem Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Dr. Georg Paula, (* 23. Mai 1955 in Pöttmes; † 26. März 2014) bewahrt sie im Sinne ihres Mannes das Andenken an das Kaschtnbauer-Haus mit seiner Geschichte, das auch Zeitgeschichte dokumentiert. Um einen tieferen Einstieg in die Historie der Familie und des Anwesens zu gewinnen, besuchten wir Frau Paula in München.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Der Giebel des Kaschtnbauer-Hauses verrät einiges: 1808, das Baujahr und das Kreuz, das die Nähe zur Kirche bezeugt, nicht nur geographisch, sondern auch die geistige Verbundenheit seiner Bewohner, die über Generationen der Kirche als Mesner dienten. Die niedrigen Innenräume des kleinen Hauses und die schlichte Einrichtung zeigen, wie einfach das Leben früher war. Der Hausname entstammt aus Zeiten des Schreinermeisters Xaver Paula  (1842 – 1920). Zu seiner Zeit nannte man einen Schreiner „Kaschtenbauer“, da er aus einem Kasten z.B. einen Schrank baute.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Die letzte Bewohnerin Johanna Paula (1894 – 1981), geborene Meyer aus Kühnhausen und Großmutter von Karolinas Mann, Georg jun., lebte dort bis zu ihrem Tod. Moderner Komfort, wie fließendes Wasser ist erst in den 60ger-Jahren angeschlossen worden. Bis dahin wurde im Keller das notwendige Wasser vom Grundwasserbestand hochgepumpt. Baden und Duschen? Fehlanzeige. Es gab einen Krug und eine Waschschüssel. Obwohl in den 70er-Jahren eine Ölheizung eingebaut wurde, heizte Johanna nach wie vor mit Holz, schlief in den Sommermonaten im Schafzimmer, aber als die Tage kürzer und kälter wurden, zog sie in die Küche, wo der Holzofen durchgehend für Wärme sorgte. Im Alter verbrachte sie die Wintermonate in München bei ihren Kindern, doch ab Ostern zog es sie wieder ins Kaschtnbauer-Haus nach Pöttmes.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Dass Johanna Paula und ihr Mann Georg (senior) bis 1951 Vieh hielten und ein von der Landwirtschaft geprägtes Leben führten, lassen die anliegenden Stallungen hinter der Werkstatt, die Futtertröge in den Außengebäude und die Mistplatte im Innenhof erkennen.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Johanna und Georg hatten drei Söhne: Der im Jahre 1921 geborene Georg, vier Jahre später sein Bruder Jakob, und Willi, der jüngste, der 1927 auf die Welt kam. Der Krieg brachte viel Leid. Johanna und ihr Mann verloren zwei ihrer drei Kinder. Jakob fiel in Stalingrad und Willi verstarb in russischer Gefangenschaft an Typhus. Es blieb ihnen noch Georg, dessen Rettung sein kluger Kopf war. Wegen seiner herausragenden Begabungen in Mathematik und Sprachen wurde er nicht eingezogen, sondern für auch im Krieg notwendige Büroarbeiten eingesetzt.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nach dem Krieg studierte er Mathematik, fand in München Arbeit und heiratete. 1955 wurde Karolinas Mann Georg, jun. geboren. Bevor die Familie nach München zog, lebte sie, bis Georg, jun. drei Jahre alt war, in Pöttmes.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Oft besuchten Georg jun. und seine Frau Karolina Paula mit ihren Kindern Oma Johanna in Pöttmes. Noch nach ihrem Tod verbrachte die Familie Ferien und Wochenenden im Kaschtnbauerhaus. Für Dr. Georg Paula waren es Kindheitserinnerungen und der Bezug zu Pöttmes.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Nach seinem Tod 2014 sortierte Karolina wichtige familienrelevante Erinnerungsstücke und Dokumente.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Interview und Text: Mary-Ann Stotko
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Moderation:  Marelies Hammerl
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Photos, Digitalisierung der anlogen Bilder Archiv Familie Paula (2.3.4) und Lektorat: Ludwiga Baronin Herman
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 24 Jun 2022 08:55:47 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Ein Herz für Jung und Alt</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/angelikaspittler</link>
      <description>Angelika Spittler</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  
         Angelika Spittler
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Angelika Lindenberg wurde 1933 in Berlin geboren. Kurz darauf zog die Familie nach München. Da Angelikas Vater als Pfarrer einer anthroposophischen Gemeinde von den Nationalsozialisten Berufsverbot erteilt wurde, beendete er das vormals begonnene Medizinstudium und wurde 1944 als Arzt nach Polen versetzt. Angelikas Mutter, Nita Lindenberg, hatte nunmehr 8 Kinder allein zu versorgen. Sie nahm Pflegekinder auf, unter ihnen einige, die von den Nazis verfolgt wurden. Das war in der Stadt gefährlich. So zog sie nach Dietramszell auf‘s Land, wo sie mit einem kleinen Behelfsheim für den Lebensunterhalt der Familie sorgte. Inmitten der Natur und umgeben von Tieren (Kühen, Pferden, Hühnern und Schweinen) und vielen Kindern, wuchs Angelika in großer Freiheit auf. Sie war ein kränkliches Kind und litt häufig an Magengeschwüren und Migräne. Mit fünfzehn erkrankte sie dann noch an Lymphknotentuberkulose. Ein Jahr lang war ihr der Schulbesuch verwehrt.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Anschließend stellte sich die Frage: Was nun? Auf Drängen der Mutter nahm Angelika eine Ausbildungsstelle als Goldschmiedin an. Ihre Hände und die an Freiheit gewöhnte Seele sträubten sich gegen die filigrane Arbeit in einer naturfernen Werkstatt. Um diese Ausbildung nicht fortführen zu müssen, gedachte sie sogar sich die Hände zu verbrühen. Achtzehnjährig verließ sie ihre Familie und ging nach Paris. Nach langer Suche fand sie Arbeit als Kindermädchen – aber sie fühlte sich nicht wohl und war unglücklich. Schließlich kehrte sie nach Deutschland zurück, unterstützte ihre Mutter in der Schule und schloss eine pädagogische Ausbildung ab.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Im Jahre 1954 heiratete sie den Lehrer Rudolph Baron von Grotthus. Mit dem kleinen Sohn Till siedelte die Familie auf die Insel Wörth am Staffelsee über, wo Angelikas Mann im Internat für schwererziehbare Jungen unterrichtete und sie als Heimleiterin tätig war. Gerne denkt sie an diese Zeit zurück, an die Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, kaum jünger als sie, die Strenge und Fürsorge brauchten, und heulten, wenn sie in den Ferien die Geborgenheit der Inselschule verlassen mussten, weil sie sich dort so verstanden fühlten.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihr Lebensweg führte sie dann mit ihrem Mann nach Peru, um dort in Lima eine Waldorfschule zu errichten. Voller Tatendrang nahm die kleine Familie 1963 ihr neues Leben in der südlichen Hemisphäre in Angriff. Doch nach zwei Jahren verstarb Angelikas Mann an einem Herzinfarkt. Der Traum einer Waldorfschule löste sich in Luft auf. Um für sich und den neunjährigen Till zu sorgen, nahm Angelika eine Stelle als Personalleiterin bei einer Pumpenfabrik an. Nach einigen Jahren heiratete sie Wolfgang Spittler. Auch mit ihrem 2. Mann waren hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche weiterhin im Lebensfokus. Das Ehepaar Spittler startete eine Initiative für eine Waldorfschule und ein heilpädagogisches Heim in Lima und wirkte mit an der Gründung des Zarate-Waldorfkindergartens für Arbeiterkinder in einem Industrieviertel. „Ich hatte einen großartigen Mann. Er machte alles mit mir mit,” gedenkt Angelika Spittler seiner in Dankbarkeit. Als ihr Sohn Till in Deutschland sein Studium aufnahm, adoptierten Angelika und Wolfgang Spittler vier peruanische Waisenkinder.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          1996, erneut wurde Angelika von einem schwereren Schicksalsschlag getroffen: Wolfgang Spittler starb an Krebs. Wieder einmal war sie allein und auf sich gestellt. Die Adoptivkinder waren längst außer Haus. Angelika arbeitete als Personal- und Finanzleiterin in einer Fabrik mit 400 Arbeitern. Sie öffnete ihr großes Haus auf dem Fabrikgelände für Straßenkinder, die am Haus klingelten, weil sie gehört hatten, dass man ihnen dort helfen würde. Eine Köchin sorgte für warmes Essen. Bei der ‚Madrina‘ *, so nannten die Kinder Angelika Spittler, fanden sie einen Zufluchtsort.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Mit 72 Jahren gab Angelika ihre Arbeit in der Fabrik auf und musste das schöne Haus und den großen Garten, Eigentum des Fabrikbesitzers, verlassen - schweren Herzens auch ihre soziale Tätigkeit mit den Kindern beenden. Sie beschloss nach Bayern zurückzukehren, nach Pöttmes auf den Gumppenberg, wo ihre Mutter lebte und sie seit Jahrzehnten eine Ferienwohnung zur Familienzusammenführung mietete. Anfangs war es sehr schwer sich zu akklimatisieren. „In Peru hatte ich über die ganzen Jahre Heimweh. Aber zurück in Bayern war ich Mutterseelen allein, kannte niemanden und hatte keine Aufgaben. „Es war schrecklich”, erinnert Angelika Spittler. Erst als sie einen Hund zu versorgen hatte, ging es aufwärts. Ihre soziale Ader erwachte wieder. Regelmäßig führ sie ins Seniorenheim nach Pöttmes und kümmerte sich um die Bewohner. Sie förderte lokale Künstler und schmückte ihren herrlichen Garten mit Kunstwerken.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Nun lässt die Gesundheit anstrengende Aktivitäten nicht mehr zu. Angelika Spittler lebt zufrieden inmitten der Natur, zwei Hunde immer in ihrer Nähe, umgeben vom Gezwitscher unzähliger Vögel.  Ihr Herz schlägt für alle Menschen, Jung und Alt, und auch für Bayern. In der Idylle resümiert sie: „Ich habe 40 Jahre in Peru gelebt, aber Bayern ist meine Heimat.”
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          *Pflegemutter
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Text: Mary-Ann Stotko
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Photographie und Lektorat: Ludwiga Baronin Herman
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Freundin und Vertraute: Antje Sträter
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 23 Aug 2021 12:40:52 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Nur der Zufriedene ist glücklich</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/magdalenakandler</link>
      <description>Magdalena Kandler   *24.12.1928, †07.06.2022</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Magdalena Kandler
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          Am
Heiligabend 1928 wurde Magdalena Geisinger auf einem Hohenrieder Hof
geboren. Gleich am nächsten Tag wurde sie getauft, das war damals so
üblich. Bei eisigen minus 25 Grad ging es zu Fuß in die Kirche. Die
Taufpatin, Schwester ihres Vaters, genannt die ‚Dodler‘, hielt
Magdalena ganz fest. Sie traute ihren von Rheuma geplagten Armen
nicht ganz zu, das Baby sicher in die Kirche zu bringen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das
Leben ihrer Mutter war ein täglicher Kampf: Der Ehemann, zwar lebend
aber durch die Erlebnisse erschüttert und schwer depressiv aus dem
1. Weltkrieg zurückgekommen, vier kleine Kinder und somit die
Verantwortung für den Hof, die Existenz aller. Als dann Magdalena 4
Jahre alt war, nahm sich der Vater das Leben. Tagelang wurde er im
Kinderschlafzimmer aufgebahrt. Magdalena und ihre 3-jährige
Schwester verstanden nicht, was mit dem Vater war: Sie versuchten ihn
zu füttern.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Kurz
darauf heiratete die Mutter wieder. Zweckehen die dem Überleben
dienten, waren damals gang und gäbe. Bald meldete sich Nachwuchs an.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Schon
als Kind war Magdalena am liebsten draußen im Freien. Die 92-jährige
denkt heute noch mit einem Lächeln an den halbstündigen Fußweg von
Hohenried nach Willprechtszell in die Schule. Mit anderen Kindern
Kind sein zu dürfen, weg von daheim, wo der Tag mit harter Arbeit
und Pflicht gefüllt war. Unter freiem Himmel unbeschwert spielen
­war einfach herrlich. Sie ging so gerne in die Schule, dass sie
weinte als die 7-jährige Schulzeit vorbei war.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit
15 Jahren verstarb Magdalenas Mutter an Krebs. Die
Familienkonstellation änderte sich erneut: Ihr Stiefvater heiratete
eine Frau, die ein Kind mit in die Ehe brachte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Der
Alltag des jungen Mädchens bestand aus harter körperlicher Arbeit:
Den Gemüsegarten, die Felder und Äcker von Hand bewirtschaften;
Getreide und Heu mähen, bündeln und in die Scheune zum Dreschen
führen. Ein Jahr später verließ Magdalena ihr Zuhause und zog nach
Schönleiten wo sie als Magd auf einem Bauernhof diente. Das zähe
Leben in der Landwirtschaft war sie ja gewohnt. „Lernen war nicht
üblich für Bauernkinder“, sagt sie. „Ich war lieber fort als
daheim. Da gab es was G‘scheits zum Essen und 50 DM im Monat“.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Beim
Tanzen unter den Kirschblüten, auf einem Gartenfest in Hohenried,
lernte die damals vierundzwanzigjährige Magdalena ihren Mann Edmund
Kandler kennen. „Er war hellhäutig mit milchweißen Beinen in
kurzen Lederhosen und ich, gebräunt von der Feldarbeit: „Gegensätze
ziehen sich an“, lacht die alte Dame. Die Vermählung ließ nicht
lange auf sich warten. Zu ihrer Enttäuschung musste die Braut die
Hochzeitstracht ihrer Mutter tragen. „Ich wäre auch gern städtisch
gegangen. Aber der Stiefvater hat es nicht erlaubt“, erzählt
Magdalena Kandler.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Sie
brachte eine weibliche Note auf den Ebenrieder Hof, wo bis dahin ihr
Mann und Schwiegervater alleine residierten. Eine unentbehrliche
Hilfe mit den Hofarbeiten und ihren sechs Kindern war die ‚Dodler‘.
Bereits zur Taufe stand die Tante Magdalena zur Seite und nun zog sie
in das Familienhaus ein: Immer eine helfende, vertraute Hand. Gemäß
dem Motto sich gegenseitig zu helfen war das Großfamilienleben für
alle eine Bereicherung und trug zur allgemeinen Zufriedenheit bei.
Draußen auf dem Felde ging es gesellig zu. Es war ein Miteinander.
So war das Leben trotz harter endloser Arbeit schön. Gemeinschaft
war wichtig. Jeder im Umfeld betrieb Landwirtschaft und war
selbstverständlich für den anderen da. Genügsamkeit und
Zufriedenheit begleiteten Magdalena durch das Leben, in guten und in
schlechten Zeiten. Fleißig und großzügig galten ihre Gedanken und
Taten immer zuerst den anderen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit
92 Jahren lebt Magdalena Kandler heute noch auf dem Familienhof in
Ebenried. Die Frucht der Großfamilie lebt weiter: Versorgt von ihren
Kindern, genießt sie ihr Lebensabend, stets dankbar, zufrieden und
glücklich.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 15 Jun 2021 13:13:30 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
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    </item>
    <item>
      <title>Wohin das Herz führt: Der Lebensweg einer Pöttmeser Künstlerin</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/antjestraeter</link>
      <description>Antje Sträter</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Antje Sträter *29.06.1940

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Orte und die Psyche stehen in ständiger Wechselwirkung miteinander.
Wo man sich geographisch befindet, kann beflügeln  oder einengen,
entzücken oder entsetzen, inspirieren oder öde
wirken.     Bei Antje Sträter fungieren Orte wie Katalysatoren, die
wegweisend ihr künstlerisches Schaffen gestalteten: vom Osten
Deutschlands in den  Westen, nach Italien in den Süden und
schließlich nach Pöttmes. Geboren in Leipzig am 29.6.1940, lebte
sie die ersten Jahre unbefangen in Mölkau bei Leipzig. Ihr ganzes
Wesen, Körper und Seele begannen -durch Theater spielen, Gedichte,
Musizieren und sich in der freien Natur zu bewegen - aufzublühen;
bis ihr Vater im Jahre 1944 eingezogen wurde und dann auch die
Bombardements auf Leipzig begannen. 1945 kehrte der Vater endlich
Heim und fand sein Großhandelsgeschäft für Sanitär- und
Heizungsbau ausgebombt. Er baute es wieder auf. Dann kam der erste Umbruch für die
deutschen Bürger, die im Osten des Landes lebten. Deutschland wurde
geteilt, dem Volk im Osten die Freiheit genommen, der Vater 1951
enteignet. Als „Kapitalistisches Kind“ im sozialistischen Staat
gebrandmarkt, spürte Antje ab dem 11. Lebensjahr schon den Wandel am
eigenen Leibe. Ihre Welt wurde eingeengt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    1956 floh Antjes Vater in den
Westen. Ein Jahr  darauf gelang es der Familie,
nachzukommen. In Neukirchen/Vluyn machte Antje ihr Abitur. Dort sah
sie auch zum ersten Mal eine in der DDR nie gezeigte noch geduldete
Malerei: den Expressionismus - eine der sozialistischen Realkunst
weit entfernten Malerei. Sie kopierte
Ernst Heckel, Emil Nolde und Otto Müller. Danach, ansässig in
München, bestaunte sie im Lenbachhaus vor allem Kandinsky. Er
begeisterte sie so sehr, dass sie später versuchte, sich seinen
freien Geist, das freie Fließen der Formen zu eigen zu machen. Diese
Art von Malerei entfachte die in ihr bis dahin ruhende Leidenschaft
für die bildende Kunst.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nach Abbruch eines Pädagogikstudiums
und nach einem kaufmännischen Kursus, arbeitete sie von 1962 - 66
als Markenbildberaterin für die Firma Rosenthal. Dabei entfalteten
sich die Knospen ihrer Kreativität. Zu der Zeit lernte sie ihren
späteren Mann Peter kennen. Der Beruf ihres Mannes führte sie nach
Mailand, wo der Sohn Sven zur Welt kam. Fünf Jahre später kehrten
sie nach München zurück. Antje spürte, dass ihr Lebensweg eine
andere Gestalt anzunehmen hat, ohne
diesen Weg jedoch konkret definieren zu können. Durch ein
kurzfristiges Arbeitsangebot erlebte sie sich wieder aktiv und gewann
Vertrauen in sich. Nach der Scheidung ergab sich 1973 die
Möglichkeit, einen Bürojob als Leiterin des Auslandsgeschäfts
einer Terracotta Fabrik in Florenz anzunehmen. Der neue Weg lag nun
vor ihr. Alleinerziehend waren diese 10 Jahre eine Zeit von
Pflichtgefühlen und Überlebenskampf und dennoch von großer
Freiheit. Die Stadt Florenz mit ihren Renaissance
- Palästen, Kirchen, Plätzen und Gärten nährte ihr Herz.
Sie tauchte in die Welt der Kunst ein, besuchte Ausstellungen und
Museen und umgab sich mit Künstlern. Sie begann davon zu träumen, 
Künstlerin zu sein. In 1980 bekam sie eine Bestätigung von einem
indischen Gelehrten: ‚Yes, you  are an artist’. (Ja, Du bist eine
Künstlerin). Nun glaubte sie selber an ihre kreativen Fähigkeiten
und begann Gefühle und Gedanken in diese Vision  bewusst einfließen
zu lassen. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Drei Jahre später, 1983, kündigte
sie ihre Anstellung und deklarierte sich als freischaffende
Künstlerin. Sie schuf Porträts mit Kreide, innere Landschaften von
Freunden und Fremden, malte Köpfe mit der Frage: Wer bin ich, Wer
bist Du? Mit Freude, als ein Ausdruck der Befreiung und mit dem
Gefühl, angekommen zu sein,
entstanden großformatige Papierarbeiten in extrem
expressionistischer Form. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Anfang 1986 waren
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    die
Ersparnisse aufgebraucht. Große Ohnmacht und Selbstzweifel ergriffen
sie. Doch Leben ist Bewegung. Langsam erhellte sich der Horizont: Es
ergaben sich Ausstellungen in Florenz und außerhalb, und Verkäufe.
Ein Kunstwerk ging sogar nach Amerika und erntete eine Einladung nach
New York. Nach sieben Wochen umgeben von Wolkenkratzern, der
pulsierenden Energie dieser Weltstadt und überwältigender
Galerieerlebnisse erkannte Antje, dass sie sich über den
eingeschränkten Kunstmarkt in Florenz hinaus engagieren sollte. Sie
beschloss, ihre Kunst verschiedenen Galerien in Deutschland zu
präsentieren, wo man viel offener für moderne Kunst war. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    1986/87, in Vorbereitung für eine
Ausstellung in einer säkularisierten Kirche  in Tellaro/ Nähe La
Spezia in Italien, entstanden Antje Sträters Segel, die sie im
gleichen Jahr in der Bayerischen Landesversicherung in  München
1987/88 ausstellte. Segel….bemalte Stoffe mit Seidenpapier und mit
Farbe bearbeitet, leuchtend und transparent, Symbole von Sonne und
Luft, ihr Alleinstellungsmerkmal.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Antje arbeitete auch
mit Erde in Zeichnungen und Objekten, mit der Frage, aus welcher Erde
bin ich, bist Du? Und gewann mit ihren Erdbüchern 2000 den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Aichacher
Kunstpreis.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     Weitere Werke aus Erde entstanden: Steine des
Bewußtseins.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es waren aber die
Segel, die in der Zeit der Hochhäuser und der nüchternen
Architektur große Aufmerksamkeit und langjährige Großaufträge
brachten. In ihrem großräumigen, lichtdurchfluteten Atelier in
Pöttmes schuf die Künstlerin mit einer Mitarbeiterin Werke für
namhafte Firmen, Krankenhäuser und Banken deutschlandweit. Auch in
Italien und der Schweiz sind ihre Arbeiten zu sehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    Orte haben
Antjes Künstler-Dasein geprägt und nun
gestaltet ihre Kunst Orte: Antje Sträters Segel bringen Farbe,
Textur und Leben in Räume. Sie sind direkt zugänglich: im Rathaus
Pöttmes, im Landratsamt Aichach, dem Friedberger Krankenhaus und im
Freien, als vergängliche Kunst in der wunderschönen alten Eiche auf
dem Schlossplatz in Aichach. Die Künstlerin blickt auf 37 Jahre
künstlerische Tätigkeit mit zahlreichen  Ausstellungen im In- und
Ausland zurück. Die heimische Werkstatt in Pöttmes beherbergt viele
Schätze ihres Schaffens. Nun gilt es,
die Werke zu katalogisieren und den Nachlass zu sichern. Die
Künstlerin Antje Sträter hofft, dass ihr Werk weiter lebt und für
die Allgemeinheit zugänglich bleibt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
     


In diesem
Sinne öffnet sie für Besucher ihre Werkstatt in der
Schrobenhausener Straße in Pöttmes nach telefonischer Vereinbarung.
(Tel.: 0170
5294573).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Interview:
Mary-Ann Stotko
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Photographie
und Lektorat: Ludwiga Baronin Herman
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/0d1c73a248454d69b283eefcfecd9216/dms3rep/multi/Portrait+Str%C3%A4ter+cropped.jpg" length="40831" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Wed, 09 Dec 2020 13:18:16 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Die "Lederer": eine Pöttmeser Geschichte</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/margaretelechner</link>
      <description>Margarete Lechner</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Margarete Lechner geb Meitinger *02.10.1943

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die „Lederer“ – unter diesem Namen ist
Margarete Lechners Familie seit ca. 1840 bekannt. Der Grund? Ihr
Urgroßvater und Großvater waren Pöttmeser Gerber. Einmal im Monat
lud der Opa seine Ware auf sein Motorrad, fuhr nach Augsburg und
verkaufte das Leder an Schuhmacher. Doch im Jahre 1925, als Geld
stetig an Wert verlor, entschloss er, Schuhe als Bezahlung zu nehmen.
Das erste Paar Schuhe kaum ausgepackt, da klingelte es an der Tür.
Der Pfarrer brachte Schuhe mit durchgelaufenen Sohlen zum Reparieren.
Er verließ das Haus mit neuen Schuhen, und damit fing der
Schuhhandel bei den „Lederern“ an. Das Schuhgeschäft prägte
Margaretes ganzes Leben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Margarete
Lechner stammt aus einer Familie von starken, geschäftstüchtigen
Frauen. Die Oma versorgte die Pöttmeser mit Schuhwerk, während die
Mutter als Hutmacherin die Bekleidung der Frauen mit eleganten
Kopfbedeckungen
veredelte. Der Vater, Martin Meitinger, war Konditor beim Kaffee
Hartmann. In den frühen Dreißiger Jahren blühte Pöttmes. Kaffee
Hartmann war ein Anziehungspunkt für Pöttmes und Umgebung. Sonntags
radelte man zum Kaffeetrinken und die Damen nutzen die Gelegenheit,
um neue Hüte im Hutgeschäft nebenan anzuprobieren.
Drei Stände bei der Pöttmeser Gewerbeschau 1935 bezeugten die
Geschäftstüchtigkeit von Margaretes Familie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Doch
ab 1939 verblieben von den schönen Zeiten nur noch Erinnerungen. Der
Vater wurde eingezogen. Das Leben war auf das Allernötigste
beschränkt. Die Mutter Thekla und die Eltern hielten das Hutgeschäft
und das Schuhgeschäft über Wasser. Während der schweren
Kriegsjahre war Theklas Ehemann Martin immer gegenwärtig in ihren
Gedanken. Die vielen Briefe ihrer Eltern aus dieser Zeit bewahrt
Margarete noch heute liebevoll auf. 1948, als sie fünf Jahre alt
war, kehrte ihr Vater endlich aus russischer Gefangenschaft in
Sibirien heim. Seine Rückkehr bescherte ihr einen Vater und den
Pöttmesern das heißbegehrte Gebäck. Nach kurzer Zeit kamen die
ersten Anfragen nach Torten. Doch Martin hatte weder Küche noch
Werkzeug. Die Oma zog aus ihrer Küche aus und machte Platz für
Martins Kunstwerke. Die Boarische Beppie war die erste „Kundin“,
die ganz stolz eine Meitinger Torte über den Erdweg nach Hause
getragen hat. Martin öffnete Konditorei Meitinger im „Ledererhaus“.
Thekla übergab Hut und Schuhläden an ihre jüngere Schwester Maria
Pracht und arbeitete Seite and Seite mit ihrem Mann in der
Konditorei. Heute noch schwärmen die Leute vom Meitinger Nusskranz
und vom „Baumstamm“.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nach
1949 ist die Einwohnerzahl von Pöttmes durch die vielen
Heimatvertriebenen stark gewachsen. Auch Margaretes resolute Lehrerin
Walpurga Pfeiler gehörte dazu. Ihre Entschlossenheit und Weisheit
hat Margarete nie vergessen: „Mädels ihr müsst alle was lernen –
schaut, ich habe alles verloren, aber was ich gelernt habe, das
konnten sie mir nicht wegnehmen.“ Auch die Lebenseinstellung der
Eltern und Großeltern legten das Fundament für Margaretes Leben:
einen Beruf erlernen, hart arbeiten und selbst für den
Lebensunterhalt sorgen. Selbstständigkeit war bei den Frauen der
Familie großgeschrieben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nach
ihrem Schulabschluss war Margaretes Berufsweg eindeutig: Berufsschule
in Aichach und eine Lehre als Kauffrau im Familien-Schuhgeschäft. Im
Jahre 1966 heiratete sie den Oberbernbacher Bankangestellten Konrad
Lechner. Gemeinsam haben sie den heutigen Laden Schuhhaus Lechner
gebaut. „Er war das größte Glück meines Lebens. Ohne ihn hätte
ich es nie geschafft“, sagt Margarete, die über Jahrzehnte den
Schuladen betrieb. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sie
ist froh, dass eines ihrer drei Kinder, Sigrid Lechner-Rummel, das
Geschäft in der vierten Generation weiter führt. Mit dem Schuhladen
vereinte Margarete das „Lederer“ Gewerbe ihrer Ur-und Großeltern
mit Mutters Leidenschaft für Mode. Die Familie Meitinger/Lechner ist
eben fest in der Pöttmeser Geschäftsgeschichte verankert. Gestern,
heute und hoffentlich auch morgen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 30 Sep 2020 00:00:00 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Das schicksalhafte Leben des Odam Schorsch</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/georgbernet</link>
      <description>Georg Bernet * 20.08.1923,  †  29.10.2022</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Georg Bernet *20.08.1923

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Am 20.08.1923 erblickte Georg als 3. Kind der Bäckerfamilie Bernet
in Haslau, heute Hazlov/CZE, das Licht der Welt. Nach dem
Schulabschluss an der Bürgerschule trat Georg in die Fußstapfen
seines Vaters und absolvierte eine 2-jährige Lehre in der heimischen
Bäckerei. Anschließend führte ihn sein Berufsweg als
Konditorlehrling für 3 Jahre in die Kreisstadt Eger, die erste
Verpflanzung aus seiner Heimatstadt, zu der es nie wieder ein Zurück
geben sollte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
1941, kurz vor Ende seiner Lehrzeit, verschlug es den jungen Georg
aus der filigranen Konditor-Welt in den Arbeitsdienst nach Tepl/CZE.
Sich an das von Pflicht, Gehorsam, Disziplin und Militärübungen
reglementierte Leben zu gewöhnen, fiel Georg schwer. Und das war
erst der Anfang, Georgs handwerkliches Dasein als Bäcker und
Konditor erschien ihm da wie ein Traum. Im März 1942 begann in Slaný
bei Prag die Grundausbildung für den Militärdienst. Im September,
in Würzburg eingekleidet, wurde er mit seiner Einheit per Schiff
nach russisch Karelien, Staraja Russa, Nordwestrussland,
transportiert. Nun war er Soldat an der russischen Front. In dieser
eisigen Gegend, wo die Sonne im Winter verborgen bleibt und
Temperaturen bis auf -52°C sinken, verbrachte Georg Bernet zwei
Jahre als Zugmelder im Gebirgsjägerregiment 206. Lebenserfahren meint er: „Der Mensch kann sich
an alles gewöhnen.“ Diese Einstellung half ihm in den kommenden
schweren Zeiten. Im Oktober 1944 begann der Rückzug: 988 Kilometer zu Fuß und auf
Skiern nach Mosjøen in Norwegen. Dieser Marsch durch den polaren
Winter, den viele nicht lebend überstanden, dauerte bis Kriegsende
im Mai 1945. Von Narvik aus wurde er als deutscher Kriegsgefangener per Schiff nach Bremerhaven
und anschließend ins Arbeitslager nach Rennes/FRA verfrachtet.
Zermürbt von der Knochenarbeit im Steinkohlebergwerk und stetig
nagendem Hunger erfuhr Georg unverhofft Glück im Unglück. Aufgrund
eines in der Kindheit nicht operierten Leistenbruchs, verschlechterte
sich sein bereits stark geschwächter Gesundheitszustand. Der
Lazarettarzt verordnete eine frühzeitige Entlassung - aber wohin? Ein zu Hause gab es nicht. Haslau war nun unter tschechischer
Herrschaft, die Familie vertrieben. Der mitentlassene Paul Seefried,
sen. aus Gundelsdorf bot Georg Bernet eine Unterkunft auf dem Hof
seiner Familie an. So begann am 7. Juni 1946 Georg Bernets neues Leben in Gundelsdorf.
Da herrschte Not, aber keine Hungersnot. Er arbeitete und lernte die
Landwirtschaft kennen, dennoch die Sorge um seine Familie ließ ihn
nicht ruhen. Durch die Registrierstelle in Wiesau fand er sie in
Wallau bei Marburg. Voller Freude auf das Wiedersehen, zog er dorthin. In diesen schweren
Nachkriegszeiten, Lebensmittel waren Mangelware und die Preise hoch,
hatten es wie alle Vertriebenen auch die Eltern und Geschwister
besonders schwer. Georg entschloss sich nach Gundelsdorf
zurückzukehren. Da gab es auf dem Hof vom ‚Sodalaschmied’* das
Nötigste zum Leben und er konnte seine Familie mit Lebensmitteln
unterstützen. 1948 nahm er bei der ‚Konditorei Frey’ in Augsburg
wieder seinen Beruf als Konditor auf. Die Liebe ließ nicht lange auf sich warten. Beim Tanzen lernte Georg
Bernet die Gundelsdorferin Theresia Vockreiter, die Odam Res
genannt***, kennen. Mit ihrem Vater bewirtschaftete sie das
Odam-Anwesen**. 1949 heirateten Georg und Theresia. Sechs Jahre lang
verbrachte Georg die Woche arbeitsbedingt in Augsburg. Frau, Kinder
und auch der Hof kamen zu kurz. Georg stand vor einer Entscheidung:
Mit seiner Familie nach Augsburg ziehen oder den Beruf wechseln.
Seiner landgebundenen Frau konnte er das Leben in der Stadt nicht
zumuten, also nahm er eine Arbeit beim ‚Baugeschäft Brecheisen’
in Gundelsdorf an. Nur in den Wintermonaten arbeitete er beim ‚Frey’.
Georg Bernet übte verschiedene Berufe aus: Er war Landwirt, übernahm
und baute den maroden Hof komplett neu auf. Bis 1964 arbeitete er als Bauhelfer und bis zur Rente als
Lackierer. Von 1965 bis zum Jahr 2000 war er auch Grabmacher und als der Ortsbäcker Peter Schönauer
im Alter von 68 Jahren verstarb, war er aushilfsweise über 20 Jahre
lang wieder als Bäcker tätig. Mit Odam Res, seiner treuen Frau,
durfte er 67 glückliche Ehejahre verbringen. Bis zu ihrem Tod 2017
dankte sie ihm jeden Abend vor dem Schlafengehen mit einem „Vergelt‘s
Gott und gute Nacht“. Ihre liebevolle Dankbarkeit – daran muss
der Odam Schorsch immer wieder denken. Zurückblickend gesteht er,
dass die Umstellung damals auf die Landwirtschaft nicht einfach war,
aber er bereut nichts. „Wir sind eine große Familie: 5 Kinder, 12
Enkel, 13 Urenkel und 2 Ur-urenkel und vor allen Dingen beieinander.
Das ist die Hauptsache“, resümiert er zufrieden. Über 97 Jahre
hinweg, die schweren Kriegsjahre, Gefangenschaft, die verlorene
Heimat, Familiengründung und vielseitiges Arbeitsleben, bleibt Georg
Bernet stets zuversichtlich, sein Motto: „Man kann nie so am Boden
liegen, dass es nimmer weiter geht!“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 31 Aug 2020 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Einigkeit und Freiheit: ein Motto für das Leben</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/walburgasturm</link>
      <description>Walburga Sturm</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Walburga Sturm *21.09.1938

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Einigkeit und Freiheit. Das war die Antwort auf die Quizfrage „Was
steht auf dem Fünferschein?“ bei einer Jugendversammlung, erinnert
sich Walburga Sturm. Rückblickend auf ihr Leben, stellt sie fest,
dass diese Werte ihr ganzes Leben prägen. Schon als Kind am
Familienhof in Wiesenbach erlebte Walburga Einigkeit. Es war
Kriegszeit. Heimatvertriebe aus Mähren und ausgebombte Augsburger
suchten Unterschlupf. Um den Kirchgang aufzuheitern, ertönte sonntags manchmal Marschmusik
vom neumodischen Plattenspieler.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Walburgas Eltern nahmen drei Familien auf. Betten wurden notdürftig
aus Ästen gezimmert. Gemeinsam teilteman sich eine Wasserleitung und
jeder half mit: im Haushalt, am Hof, im Gemüsegarten, wo auch immer
es Not tat. Mit den Flüchtlingskindern wuchs die Klasse in der Wiesenbacher
Schule auf 70 Kinder an. Lampen gab es nicht. Im Dunkeln lernten sie
Rechnen. Da wurde das Köpfchen geschult. Für Schönschreiben und
Benehmen gab es Noten. Auf dem Hof war harte Arbeit angesagt aber
gelegentlich tanzten und sangen alle gemeinsam, samt Knechten und
Mägden, zu Schlagern und Volksmusik in der Stube. Nach Schulabschluss arbeitete Walburga am heimischen Hof. Sie
besuchte die Landwirtschaftsschule in Echsheim und mit 18 kam sie in
die Hauswirtschaftsschule nach Neuburg. In der Freizeit nahm sie an
Veranstaltungen vom katholischen Jugendprogramm teil. Da ging es bei
weitem nicht nur um Religion. Junge Menschen kamen zusammen und hörten
Reden und Vorträge. Mit ihrer Mädchengruppe besuchte Walburga Kurse
in Nähen, Tapezieren und Malerarbeiten, Gemüseanbau, Ernten und
Einmachen. Es war eine wunderbare gesellige und lehrreiche Zeit.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Mit 21 Jahren machte Walburga als erste in der Familie den
Führerschein. Damals war das ein zweiwöchiges Unterfangen. Aber die
Wartezeit für ein Auto betrug ein Jahr. Dann endlich 1950 am Steuer
eines VWs, erlebte Walburga eine neue Freiheit: Sie holte Freunde ab und gemeinsam unternahmen sie
zahlreiche Ausflüge.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die katholische Landvolkshochschule in Petersberg bei Dachau ist in
ihrem Gedächtnis großgeschrieben. Da wurden mehrwöchige Kurse
angeboten, Reisen und Besichtigungen unternommen. 1959 verbrachte Walburga dort Monate. Ein Nachbar empörte sich bei
ihrem Vater: „Du bist ja ein netter Mann, lässt deine Tochter
herumflacken und musst dann Tagelöhner bezahlen, um die Arbeit zu
machen.“ Von dieser Weiterbildung schwärmt und zehrt die 84-jährige noch heute. Sie war in
Rom, hat die Welt kennengelernt, aber auch das KZ in Dachau war Teil
des Weiterbildungsprogramms. An einem Tanzabend lernte sie Dominikus
Sturm kennen. Um ihr Herz zu erobern, musste er seine „starrigen“
Beine erst einmal sortieren und einüben. 1967 heiratete das Paar. Ihnen wurden
4 Kinder geschenkt, nun sind es 10 Enkelkinder. Wie früher lebt sie
als Mitglied der Großfamilie mit ihrem Sohn und seiner Familie auf
dem ehelichen Hof, nur ein paar Häuser weiter vom Familienhof. Sie arbeitet im Stall und
hütet die Enkelkinder.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Apr 2020 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Von der Modebranche ins Forsthaus</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/lieselotteassenbrunner</link>
      <description>Lieselotte Assenbrunner</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Lieselotte Assenbrunner *19.09.1925

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Trotz Kriegswirren eine Liebesgeschichte ...
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im Jahr 1945 ist Josef Assenbrunner aus Gundelsdorf als
Kriegsgefangener in Marburg inhaftiert. Tagsüber arbeitet er bei
einem von amerikanischen Besatzungstruppen betriebenen Café und
macht Gelegenheitsjobs; abends muss er zurück ins Lager. Wenngleich
er intensiv mit Malerarbeiten beschäftigt ist, erblickt er eines
Tages Lieselotte Pfaff, die Schwester der Hausherrin. Es ist Liebe
auf den ersten Blick. Er schreibt seinen Eltern: Ich habe die Frau
fürs Leben gefunden. Lieselotte ist gebürtige Marburgerin. Ab dem
14. Lebensjahr bestimmt der Krieg auch ihren Lebensweg. Sie kommt
nach Schlesien zum Reichsarbeitsdienst in der Landwirtschaft. Die
Bauern staunen, wie das „Püppchen“ aus der Stadt schwere
Arbeiten, wie Kartoffeln klauben und Kühe einspannen, meistert. Im
Krieg wird sie zum Scheinwerferdienst in Sachsen-Anhalt eingezogen:
Frauen müssen die Flugzeuge der Alliierten zur Abwehr beleuchten.
Unter Beschuss und Granatenregen lernt sie Todesängste kennen. Als
der Krieg endlich endet, macht sie eine Lehre als Textilkauffrau und
ist zehn Jahre lang in der Modebranche beschäftigt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nach der ersten Begegnung mit Josef kommt es zu Besuchen hinter
Stacheldraht. Das Lager wird Schauplatz der wachsenden Zuneigung
zwischen Lotte und Seppi, bis Josef Assenbrunner aus der
Gefangenschaft entlassen wird undnach Gundelsdorf zurückkehrt.
Danach zehrt die Liebe der Verlobten von Briefen und gelegentlichen
Besuchen – fünf Jahre lang. Dann endlich, 1950, wird das Forsthaus
beim Baron von Gumppenberg frei. Die Hochzeitsglocken läuten, Josef
tritt seinen Dienst als Förster an und Lieselotte verabschiedet sich
von der Modewelt, wird Försterfrau, betreibt Landwirtschaft und
zieht ihre Kinder groß. Nur beim jährlichen Ausflug zum Jägerball
in Aichach leuchtet das Modebewusstsein der jungen Lieselotte Pfaff
in einem selbstgehäkelten Ballkleid. Strahlend erzählt Lieselotte
Assenbrunner von ihrer Ehe mit dem „größten Wildschweinjäger
weit und breit“. Noch immer schwärmt sie von ihrem bereits 2014
verstorbenen Mann, seiner ausgeprägten Naturverbundenheit,
Dienstbeflissenheit, Korrektheit und Würde: „Es war ein
wunderschönes Miteinander.“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 31 Mar 2020 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Ein reiches und erfülltes Leben</title>
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      <description>Adolf Hammerl  
* 20.07.1932, † 24.01.2022</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Adolf Hammerl *20.07.1932

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe auf Lebenszeit ziehen einen
Leitfaden durch Adolf Hammerls Leben. Schon im Jahre 1938 in der
Schule im unteren Torbogen waren Adolf Hammerl und Josef Schupfner
feste Freunde. Der Krieg beherrschte den Alltag von Jung und Alt.
Statt Bildung prägte in diesen Schuljahren der häufige Fliegeralarm
das Leben der Kinder. Die einzigen Geschichten, die sie zu hören
bekamen, waren Erzählungen lokaler Offiziere, die von den
„Heldentaten“ der deutschen Soldaten berichteten. Das
unaussprechliche Leid des Krieges wurde vollends verschwiegen. Adolf
Hammerl erinnert sich, dass eines Tages beim Spiel mit den Kindern
der Schlossangestellten im Sandhaufen auf dem Hofe des Barons von
Gumppenberg Schüsse aus einem Flieger herunterhagelten. In letzter
Sekunde seien sie zur Seite gesprungen. Die Kugeln, die ihnen galten,
holten sie danach aus dem Sandhaufen. Auch Josef Schupfner erinnert
sich einer solchen Begebenheit, bei der er knapp mit dem Leben davon
gekommen sei, als er mit dem Fahrrad in der Von-Gumppenberg-Straße
während eines Luftangriffs über Pöttmes unterwegs war. Die Bomben
pfiffen und es knallte gewaltig. Jemand packte ihn am Genick und zog
ihn hinter eine Mauer. Sein Rad war zerschossen. „Das war halt die
Zeit“, sagen Adolf und Josef.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es kamen auch schöne Zeiten. Pöttmes florierte mit neuen
Wirtschaften, die Geselligkeit, Musik, Tanz und Faschingsgaudi boten.
Liebe lag in der Luft: Bei einem Gang zur Sparkasse erblickte Adolf
Hammerl ein Mädchen mit wunderschönen Zöpfen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er erzählte
seinen Freunden, er habe die Frau seines Lebens gefunden. Und so war
es auch: 65 segensreiche Ehejahre waren dem Paar Adolf und Gerda
Hammerl gegeben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„Mit ihr war ich glücklich,
solange wir uns gehabt haben!“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Jahrzehnte lang war der Name Hammerl in Pöttmes ein Synonym für gediegenes Backhandwerk. Über fünf Generationen hat die Familie die Marktgemeinde mit Back-
und feinsten Konditorwaren versorgt und mit dem Café einen
Treffpunkt für gesellige Stunden geboten. Diese Ära ist nun vorbei.
„In der heutigen Zeit ist es schwer, junge Leute zu finden, die
bereit sind, täglich ab 3 Uhr in der Früh in der Backstube zu
stehen“, berichtet der Senior. Der gesellige Bäcker wirkte mit
Herz und Seele bei zahlreichen Vereinen mit: im Kirchenchor und
Echsheimer Männerchor; Schützenverein; Kegelclub und bei den
Fußballern; bei der Feuerwehr und dem Trachtenverein. Neben der
Musik, er spielt Bass, Trompete und Schlagzeug, war Theater seine
Leidenschaft: Adolf Hammerl brillierte in vielen Hauptrollen. Sein
Motto: „Wenn der Herrgott die Hand ausstreckt, dann bin ich dabei!“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Heute
erfreuen sich die Jugendfreunde Adolf Hammerl und Josef Schupfner,
beide mittlerweile Witwer, bei einem Gläschen Wein oder Wasser an den
Erinnerungen vieler gemeinsamer Erlebnisse und blicken, trotz der schlimmen Kriegsjahre,
auf ein wunderbares und vor allem erfülltes Leben zurück.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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    </item>
    <item>
      <title>Schicksal eines heimatvertriebenen Mädchens</title>
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      <description>Edith Baudisch</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Edith Baudisch *20.04.1936

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es ist das Frühjahr 1945, der 2. Weltkrieg geht dem Ende zu. Die
Rote Armee besetzt Neudamm, das heutige Debno in der Woiwodschaft
Westpommern in Polen. In einem Krankenhaus in Neudamm liegt die
28-jährige Gertrude. Von Angst gelähmt, denkt sie an ihre Kinder:
Edith, Gunther und Siegfried. Es heißt: Die Polen kommen; erneut
werden die Deutschen aus Neudamm vertrieben. Erst im Februar waren es
die Russen. Die Russen, die sie mehrfach erniedrigt und vergewaltigt
hatten, vor denen sie mit ihren Kindern geflüchtet war. Sie denkt an
die verlassenen Häuser, wo sie Unterschlupf fanden und an das Weinen
ihrer Kinder. Nach dem Abzug der Roten Armee kehrten sie in das
verwüstete Haus zurück. Gertrudes psychischer Zustand
verschlechterte sich zusehends, so dass sie in das örtliche
Krankenhaus eingewiesen werden musste. Edith, die Älteste, lebt mit
ihren Brüdern in einem Zweifamilienhaus. ‚Kind-Sein’ ist ihr
nicht vergönnt. Sie muss ihre Brüder versorgen, die Mutter ist weg.
Die Hausmitbewohner, eine Frau und ihr kriegsverletzter Sohn,
unterstützen das neunjährige Mädchen. Nun drängt die Zeit, Edith
muss packen. Bis 12 Uhr mittags müssen die Deutschen ihre Häuser
räumen. Sie beschließt mit ihren Brüdern zu ihrer Tante nach
Berlin zu gehen. Plötzlich steht die Mutter in der Tür. In eine
Decke gewickelt, erscheint sie wie ein Geist. „Hol deine Brüder!“
ruft sie. Wortlos folgt Edith. Die Mutter nimmt alle drei Kinder an
der Hand und geht in Richtung See, keine 200 m vom Haus entfernt. Am
Ufer aber bleibt sie nicht stehen. Sie kann nicht zulassen, dass den
Kindern etwas angetan wird. Sie muss die Kinder vor schrecklichem
Unheil bewahren. Immer weiter geht sie ins Wasser. Der Tod kommt,
still und leise. Edith strampelt und kämpft. Alles was sie an
Kleidern besaß, hatte sie am morgen angezogen. Fünf Kleider, die
sie jetzt in den Abgrund ziehen. Gerade noch als sie denkt, dass es
auf das Ende zu geht, erblickt sie ein Boot. Junge Polen ziehen sie
aus dem Wasser und bringen sie an Land. Edith hat nur einen Gedanken:
Jetzt bin ich ganz allein. Ich muss vor 12 Uhr nach Hause, damit ich
mit Familie Kiebitz fliehen kann. Von Neudamm nach Pankow, 1945 dem
russischen Sektor
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
von Berlin zugeordnet, sind es gut 130 km, die Edith zu Fuß
bewältigen musste. Zum Glück wusste sie die Adresse ihrer Tante.
Erschöpft und von allem ausgezehrt angekommen, war es ihre Pflicht
sich als Flüchtling zu melden, eine beschämende Anmeldung. Alle
Flüchtlinge wurden wie Vieh aufgereiht und gegen Ungeziefer
abgespritzt. Lange wusste sie nichts von ihrem Vater. Zum Ende des
Krieges kam er in Gefangenschaft nach Mietraching/Bad Aibling, das
größte unter amerikanischer Militärregierung stehende
Kriegsgefangenenlager in Süddeutschland. Nach seiner Entlassung,
ging er nach Schorn, wo er im Rahmen des Rückzuges Kontakte geknüpft
hatte. Verzweifelt suchte er nach seiner Frau und den Kindern und
erfuhr vom furchtbaren Schicksal. Nachdem Edith zwei Jahre bei der
Tante in Berlin-Pankow gelebt und zur Schule gegangen war, reiste sie
1947 zu ihrem Vater. So kam sie nach Schorn in die Marktgemeinde
Pöttmes und lernte 1956 beim Tanzen im Ochsenwirt ihren Mann Herbert
Baudisch kennen. Sie wurde Mutter von vier Kindern und arbeitete über
viele Jahre als Haushälterin. Notgedrungen hatte sie diese Aufgaben
früh erlernen müssen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 30 Sep 2019 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Zum Schneider geboren</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/heinesauerlacher</link>
      <description>Heine Sauerlacher</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Heine Sauerlacher *25.01.1942

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der Familienstammbaum von Heine Sauerlacher ist
der Blick auf eine Pöttmeser Schneiderdynastie. Seit Generationen
dominiert die Schneiderei die Berufslandschaft der Handzeller
Familie. Und für Heine Sauerlacher kam auch nichts anderes in Frage.
Heine war das jüngste der zehn Sauerlacher Kinder. Er verlor beide
Eltern früh. Seine Mutter starb als er 9 Jahre alt war, und zwei
Jahre später wurde er Vollweise. Nach dem Tod des Vaters machte
Heines Bruder Ludwig seinen Meister und übernahm die
Familienschneiderei. Als Heine die 8. Klasse absolviert hatte,
erfolgte der nächste Schritt ganz automatisch: Er machte in der
heimischen Schneiderei eine drei-jährige Lehre und blieb dort bis er
- damals noch - als Wehrpflichtiger zum Wehrdienst eingezogen wurde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die 18 Monate bei der Bundeswehr in Neuburg,
verbrachte Heine Sauerlacher nicht etwa mit soldatenhaften
Aktivitäten. Der Zufall wollte es, dass der Zivilist, der die
Schneiderarbeiten für die Bundeswehr erledigte, erkrankte. Da bot es
sich an, dass Heine die Arbeit übernahm und fleißig nähte, während
sich seine Kameraden durch die Grundausbildung quälten. Seine
Dienste waren stets gefragt, von Knöpfe annähen, bis hin zu Hosen
enger machen für modebewusste Offiziere. Und nebenbei half Heine
seinem Bruder  Ludwig die vielen Aufträge zu Hause zu bewältigen.
Nach dem Wehrdienst nahm Heine Sauerlacher eine Stelle bei der Firma
„Herrenmode Schmidt“ in Augsburg an. Schon zu der Zeit läutete
die Industrialisierung
im Schneiderhandwerk und damit die Möglichkeit der
Konfektionsfertigung das Ende der handwerklichen Maßschneiderei ein.
Anstatt sich Kostüme und Maßanzuge für besondere Anlässe beim
Schneider anfertigen zu lassen, wurde Fertigware (Mode von der
Stange) verlangt. Die wenigsten waren bereit mehr Geld für
qualitativ hochwertigen Stoff und die 40 Arbeitsstunden, die zur
Herstellung eines maßgeschneiderten Anzuges notwendig sind, zu
bezahlen. Nach drei Jahren kündigte er seine Stelle und passte sich
der neuen Entwicklung an.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Er
wechselte zu C&amp;amp;A nach Augsburg als Verkäufer in der
Herrenabteilung. Seine Jahrzehnte lange Erfahrung als Schneider
verschaffte ihm Respekt bei den Kunden, die gleich merkten, dass
Stoffe, Schnitte und Passform seine Welt waren. Seine fachkundige und
damit wertvolle Beratung war unter den Kunden gefragt. Es folgten 30
Jahre als Verkäufer ... 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    ...
bis wieder einmal der Konsum den Zeitgeist und damit den
Arbeitsalltag beeinflusste. Die Kundschaft änderte sich.
Wertschätzung gegenüber qualitativer Beratung geriet in
Vergessenheit. Die Kunden kamen in das Geschäft, fragten nicht mehr,
probierten willkürlich an und hinterließen die Herrenabteilung wie
einen Bazar. Die Arbeit machte so keinen Spaß mehr. Heine
Sauerlacher ging in Rente.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    

 Heute arbeitet Heine Sauerlacher immer noch mit
den historischen Nähmaschinen in seiner Werkstatt im Keller. Dort
verrichtet er mit seiner Frau für Verwandte und Bekannte wertvolle
Schneiderarbeiten – manchmal auch auf dem Tisch im Schneidersitz.

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ein Leben für das Schneiderhandwerk:
Einmal Schneider, immer Schneider.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 31 May 2019 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Kriegskinder</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/franzschlosser</link>
      <description>Franz Schlosser</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Franz Schlosser *26.05.1930

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kriegskinder
in Pöttmes
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
Schlafzimmer in der Schwedenstraße 37 fand eine Hausgeburt statt.
Der kleine Franz erblickte das Licht der Welt in dem Haus, in dem er
seine Kindheit, ein langes Arbeitsleben und seinen Lebensabend
zubringen wird. Es war das Jahr 1930, die Straßen waren ungeteert
und von tiefen Spuren der Pferde- und Ochsenkarren zerfurcht. Es war
die Zeit der Lederschulranzen, Schiefertafeln und Sütterlinschrift. 
                                                              

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Mit
3 Jahren besuchte Franz den Kindergarten. Vor allem liebte er die
Ausflüge in die Natur. Franz  verbrachte viel Zeit auf dem Acker und
wenig auf der Schulbank am unteren Torbogen auf dem Marktplatz der
Marktgemeinde Pöttmes. Familie Schlosser betrieb Landwirtschaft und
es war selbstverständlich, dass Franz nach der Schule Kühe hütete,
bei der Heuarbeit half oder seine Geschwister, oft auch noch andere
Kinder, betreute. Es war ein bescheidenes, aber zufriedenes Leben.
Die Tage vergingen fröhlich. Keiner ahnte, welch düstere Zukunft
sich abzeichnete.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
2. Weltkrieg brach aus. Aus Lehrern wurden Soldaten.
Klosterschwestern und „für den Kriegsdienst Untaugliche“
übernahmen den Unterricht. Der Stundenplan bestand größtenteils
aus Arbeit: Eisgewinnung aus dem Klausen Weiher zur Kühlung bei der 
Schlossbrauerei Pöttmes; Landwirtschaftsarbeit auf den großen
Gütern und daheim; Heizholz anrichten und Teekräuter für die
Lazarette und Kasernen sammeln. Oft unterbrach Fliegeralarm den
Unterricht und die Kinder wurden nach Hause geschickt. Überleben war
wichtig - Lernen dann zweitrangig.
Nationalsozialistische
Exerzierstunden fanden nach der Schule statt. Franz lernte
Gleichschritt, absolvierte Feldübungs- und Kampfspiele. Nach der 7.
Klasse übersiedelte er nach Augsburg um eine Lehrstelle als
Schneider bei einem Großhändler für Sattlerwaren anzutreten. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Weil
Augsburg Sitz von Rüstungsunternehmen war, zerstörten am 25.
Februar 1944 amerikanische und britische Angreifer mit 250.000
Stabbrandbomben, 45.000 Phosphorkanistern, 12.000 Flüssigkeitsbomben
und 240 Sprengbomben Großteile der Stadt. Furcht und Panik brachen
aus. Auch das Lehrlingsheim wurde getroffen und fing Feuer. Dieses
Ereignis beschäftigt Franz bis zu seinem Lebensende.                
      
           

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bei
minus 18°C kämpften er und seine Kameraden sich durch zerbombte
Gebäude, vorbei an brennenden Häusern und ausgebrannten
Straßenbahnen, vorbei an Verwundeten und Toten flüchteten sie aus
der Stadt. Wie durch ein Wunder kam Franz heil daheim an. So endete
die Augsburger Zeit. Er begann eine Sattler-
und Polster-lehre
im Betrieb seines Vaters.
                                                    

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
Krieg wütete. Englische Spitfire-Jagdflieger flogen in 50 m Höhe
und beschossen großflächig auch die Pöttmeser Gegend. Granaten
schlugen in den Häusern ein. Auch das Haus von Familie Schlosser
wurde getroffen. Am 28. April 1944 marschierten die US Truppen in
Pöttmes ein. Sie besetzten Häuser, führten Razzien durch und
konfiszierten und verbrannten alle Waffen. Bei Schlossers versteckte
Bruder Hans Großvaters Uniform und Helm unter dem Heu. Nach dem
Krieg wurde diese Uniform gefärbt und in Zivilkleidung
umfunktioniert.                      Der Helm ist heute noch in
Familienbesitz und erinnert an schlimme Zeiten. 
                                                                     
      

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Am
8. Mai 1945 war der Krieg zu Ende. In den Städten herrschte Hunger;
der Schwarzmarkt florierte. Für die vielen Flüchtlinge wurden in
Schlossers Polsterei Matratzen gefertigt. 
                

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
Zeiten änderten sich und der Bedarf an her-kömmlichen Sattlerei
Produkten wie Rossschnallen und Lederriemen verschwand. Franz
übernahm das Geschäft seines Vaters und verdiente seinen
Lebensunterhalt vorrangig mit der Polsterei und dem Verlegen von
Böden. Als er mit 65 Jahren in Rente ging, hatte seine Firma stolze
250.000 m2
Teppichboden verlegt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Geprägt
von den Erfahrungen des Krieges,  setzte sich Franz sein ganzes Leben
lang für seine Mitmenschen ein. Er war Mitbegründer des Roten
Kreuzes in Pöttmes, fuhr Jahrzehnte lang Sanka*, war 20 Jahre für
die Wasserwacht am Mandlachsee tätig, sang im Kirchenchor und tanzte
im Trachtenverein. Gesellig und nicht die Arbeit scheuend war Franz
Schlosser mit Herz und Seele ein Vereinsmensch. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„Ich
habe eine gute Frau,“ würdigte er seine Ehefrau. „Durch meinen
Beruf und die vielen Vereinstätigkeiten war ich ständig unterwegs.
Sie machte alles mit.“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 31 Mar 2019 00:00:00 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Zuflucht und Heimat in Reicherstein</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/renatebissinger</link>
      <description>Renate Bissinger</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Renate Bissinger *1936, geb. Letschka

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im milden
mährischen Klima am Klentnitzer Waldrand wächst die kleine Renate
in einem sorgenfreien Familienleben auf. Mit dem Einzug des Vaters
zum Militärdienst endet das abrupt, es herrschen Ungewissheit und
Angst. Die Mutter verbarrikadiert Fenster und Türen. Allein der
Ertrag des Gemüsegartens sichert das Überleben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Frühjahr 1945 beginnt das Grauen. Die Kriegsfront rückt immer
näher. Renate fürchtet sich vor dem Dröhnen der Kampfflugzeuge und
den Bomben, die am Himmel blutrot aufleuchten. Mit dem Vormarsch der
Roten Armee spitzt sich die Lage zu. Viele Klentnitzer beschließen
zu fliehen. Am 17. April ziehen auch Mutter und Tochter in Richtung
Walddreieck gen Westen. Essbares ist knapp. Renate betet „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      unser
tägliches Brot gib uns heute
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “.
Eines Tages wird der Flüchtlingstreck von russischen Soldaten
gestoppt. Renate erstarrt vor Todesangst. Die Soldaten peinigen die
Menschen und fallen über die Frauen her. Es gibt kein Entkommen. Die
Flucht ist gescheitert und sie müssen zurück. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Als die
sowjetischen Truppen endlich abziehen, ist das Elend noch lange nicht
vorbei, militante Tschechen enteignen die Deutschen. Auch Renates
Elternhaus wird besetzt und sie werden vertrieben. Unter Bewachung
der Volkssturmoffiziere verlassen deutsche Klentnitzer ihr vertrautes Heim
und Hof. Erschöpft und hungrig erreichen Mutter und Tochter
Drasenhofen in Niederösterreich. Was Renate dort sieht, brennt sich
fest in ihr Gedächtnis: Die Straßen sind mit Leichen übersät. Die
furchterregende Flucht führt weiter nach Rammingen ins Unterallgäu,
nahe Ulm, wo die Mutter eine Anstellung als Schneiderin findet und
für das Auskommen sorgt. Dort beginnt ein normales Leben für Renate
und ihre Mutter. Aber vom Vater fehlt jedwede Spur.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zu
der Zeit befindet sich Rudolf Letschka bei Familie Hackl, in
Reicherstein, wo er als heimatloser Soldat einquartiert wurde. Nach
Kriegsende ist die Heimat, Klentnitz in Südmähren, verloren. Die
Suche nach Frau und Kind beginnt. Von Wiener Verwandten erfährt er
den Aufenthaltsort seiner Familie. Sofort eilt er mit der Bahn in
Richtung Rammingen. Der Zufall will es, daß er direkt am Bahnsteig
seine Frau erblickt. Vor Freude weinend kommen sie wieder zusammen. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
diesen Nachkriegszeiten macht es sowohl der Schmerz des Verlustes der
Heimat als auch die allgemeine Hungersnot und Verstörung der
Menschen in den Zufluchtsorten für die Vertriebenen und Flüchtlinge
nicht leicht anerkannt zu werden und Fuss zu fassen. Familie Hackl
aber nehmen auch Renate und ihre Mutter herzlich auf. So findet die
Familie Letschka aus Klentnitz in Südmähren in Reicherstein, einem
Ortsteil der Marktgemeinde Pöttmes, nicht nur Zuflucht, sondern
Renate auch mit ihrem Mann Vitus Bissinger Familienglück und eine
neue Heimat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 31 Jan 2019 00:00:00 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Gemeinsam ist das Leben schöner</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/kreszentagolling</link>
      <description>Kreszenta Golling, Anna Ruf</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Kreszenta Golling *30.08.1925, Anna Ruf *01.02.1942

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
An einem
Frühlingstag wacht die zehnjährige Zenta auf. Es ist ein
lebensverändernder Tag. Ab diesem Tag muss Zenta ohne ihre Mutter
auskommen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Tod der Mutter ist für Zenta und ihre drei Brüder – vier, fünf
und sechs Jahre alt – schwer zu verkraften. Für den Vater ist der
Alltag mit vier Kindern, Vieh und Feldern kaum eigenhändig zu
bewältigen. Er braucht eine Frau, die seine Kinder mitversorgen kann
und die harte Arbeit am Hof nicht scheut. In Anna Echerer, einer
vierunddreißigjährigen Frau aus Neukirchen, findet er eine solche
Frau. Sie stellt sich der Herausforderung ihr Leben einem fremden
Mann anzuvertrauen, über Nacht Mutter von drei Söhnen und einer
Tochter zu werden und die zermürbende Arbeit am Hof zu übernehmen.
„Des tat heutzutage keine,“ meint die 93 jährige Zenta.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nach
kurzer Zeit erobert die liebevolle neue Mutter die Herzen der Kinder.
Das Ehepaar wächst zusammen, erledigt das Tageswerk gemeinsam. Jede
Woche wird Brot gebacken ‑ er bringt die Kohlen zum Glühen,
reicht ihr die Zutaten, sie knetet und bäckt. „Bet und arbeit,
Gott hilft allezeit“ ist ihr Motto.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Anna
Schlicker bekommt eigene Kinder, zwei Buben und dann endlich ein
Mädchen: Anna. Zenta ist da siebzehn Jahre älter als ihre
Schwester. Wie eine zweite Mutter, hört sie zu und spendet Trost.
Unter den vielen Brüdern halten die zwei Schwestern zusammen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
1952 heiratet Zenta nach Kühnhausen. Sie fehlt Anna sehr. Doch
Familie heißt gemeinsam anpacken und beim Hausbau und Kinder
betreuen, kann Zenta auf ihre Schwester zählen. Anna ist stets zur
Hand. Der Familenkreis lebt weiter.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Heute
sitzen Zenta und Anna an einem lauen Sommer Tag beisammen, Schwestern
seit 75 Jahren, und denken an die starke, gutgläubige Mutter, die
aus der Not heraus eine Ehe einging und eine unvorstellbare Aufgabe
mit Liebe und Hingabe gemeistert hat. Eine Ehe die Zenta ihre
Schwester schenkte. Auf die Frage wer ein Vorbild für das Leben
gewesen ist, antworten beide Schwestern wie aus einem Munde: die
Mutter.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 31 Dec 2018 00:00:00 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Die Braut im
Fallschirmkleid</title>
      <link>https://www.xn--heimatmuseum-pttmes-36b.de/kunigundelihl</link>
      <description>Kunigunde Lihl  *14.09.1923, †13.02.2022</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Kunigunde Lihl, *1923

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
1950
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Trümmerfrauen
schichten am Kaiserdamm in Berlin Ziegelsteine. In Augsburg, umgeben
von 2,5 Millionen Kubikmeter Schutt, wird wie überall in Deutschland
getauscht, nicht gekauft. Und in Bamberg gibt eine junge Frau im
seidenen Kleid ihr Ja-Wort.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Rückblick
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit 6 jüngeren
Geschwistern wächst Kunigunde Weidner auf einem Bauernhof am Rande
der Stadt Bamberg auf. Arbeit prägt das tägliche Leben. Nach der
Schule sind die Felder zu bewirtschaften. Freizeit in dem Sinne gibt
es nicht. Abends wird gestrickt, gestickt, genäht, geflickt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Krieg verändert vieles. Was die Felder hergeben, muss teils
abgegeben werden. Dennoch geht es den Menschen auf dem Lande besser
als in den Städten. Eier, Butter, Kartoffeln – es reicht zum
Überleben. Wenn der Himmel dröhnt und die Sirenen aufjaulen,
flüchten die Dorfbewohner in einen nahegelegenen Felsenkeller am
Kalksteinbruch. Menschen drängen mit pochenden Herzen auf engstem
Raum. Sie schnappen nach Luft und warten. Es gibt nur einen Weg
hinein. Aber keinen Ausgang. Körper an Körper betet man, dass der
Eingang nicht zugeschüttet wird. Jeder denkt es, aber keiner spricht
es aus: die schützende Höhle könnte zur Todesfalle werden. Alle
ersticken. Das gerettete Leben erlischt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    September
1945
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der Krieg geht zu
Ende und die Übergangszeit bringt Besatzungstruppen ins Dorf.
Englisch ertönt in den Straßen. Heim und Herd gehören nun
amerikanischen Soldaten. Tagsüber schleicht die Familie sich in den
Stadl, des Nachts suchen sie sich eine Schlafstätte. Gottlob nimmt
auch diese schwere Zeit ein Ende. Die Soldaten verlassen die Dörfer.
Kunigunde und ihre Familie dürfen wieder in ihr Haus. Beim Anblick
zertrümmerten Geschirrs und demolierter Möbel erstarrt die Freude.
Der Wiederaufbau beginnt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Auch Vertriebene
suchen eine neue Heimat, einen Zufluchtsort. Grenzen sind keine
Grenzen mehr, das Vertraute, das Gewohnte - alles ist verloren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Für Kunigunde ist
die Zwangsaussiedlungspolitik zweifach schicksalsträchtig. In einer
Ferienwohnung am Waldrand, unweit vom heimischen Hof, kommt das
vertriebene Offiziersehepaar namens von Mühlendorf unter. Dort
findet Kunigunde eine Anstellung als Haushaltshilfe und
Kindermädchen. Wasser holen, waschen, schrubben, kochen und Kinder
hüten füllen den Alltag von früh bis spät. Die Hausherrin, als
Gattin eines ehemaligen Offiziers ist gestreng, aber auch gütig. In
Sachen Herzen, war die Zwangsaussiedlung eines jungen Mannes aus
Böhmen ein zusätzlicher Glücksfall für Kunigunde. Mit nichts in
der Tasche aber voller Träume kam der Abiturient nach Bamberg. Er
steigt aus dem Bus und sieht, wie ein Mädchen Birnen sammelt. Sie
blickt auf und fragt: „Mogst ne Birne?“ Und das ist der Anfang. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    1950 ist es dann
endlich so weit. Der Tag der Trauung rückt näher. Vorbereitungen
sind zu treffen, aber woher ein Hochzeitskleid? Stoff ist in der
Nachkriegszeit Mangelware. Doch Not macht erfinderisch. Maria von
Mühlendorf, dankbar für Kunigundes selbstlose Hilfe näht ihr aus
einem zurückgelassenen Seidenfallschirm das Hochzeitskleid. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es wird daheim auf
dem Hof gefeiert; Wohnzimmermöbel werden beiseite geräumt und es
gibt genügend Platz für die Gäste.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Diese Heirat
verpflanzt Kunigunde nach Ebenried ins Pöttmeser Land, wo ihr Mann
seinen Platz als Dorflehrer einnimmt. Aus der Geborgenheit der
Großfamilie herausgerissen, weint sie viel, vermisst ihre Familie
und tut sich schwer im neuen noch fremden Umfeld. Täglich muß sie
zum Dorfbrunnen um Wasser zu holen. Einfach Tee kochen geht genauso
wenig wie zum Hörer greifen um mit den Eltern zu telefonieren. Da
ist ein Gang in die Wirtschaft notwendig, wo das einzige Telefon
stationiert  ist. „Hier halte ich es niemals länger als ein Jahr
aus!“ erinnert sie sich gesagt zu haben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das war vor
dreiundsechzig Jahren. „Frau Lehrer“, wie sie von den Pöttmesern
genannt wird, lebt entgegen ihrer damaligen Verzweiflung noch immer
in Ebenried und erfreut sich am Dorfleben und der Geborgenheit in der
Gemeinschaft. Die Kinder, die einst im Klassenzimmer ihres Mannes
lernten und mittlerweile auch deren Kinder sorgen für sie: Für
genügend Holz für den Ofen zum Heizen im Winter, dass die Hecken um
das Schulhaus geschnitten sind und das Gemüse im Garten wächst.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Und
das Brautkeid? Gibt es noch. Dieses Andenken an den Tag an dem das
Schicksal sie in Richtung Ebenried
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    führte, ist feinsäuberlich
aufbewahrt. Es erinnert an die Entbehrungen der Nachkriegszeit, den
Erfindergeist aus Nichts etwas zu machen, an das Miteinander, den
Soldaten, aus dessen Fallschirm Frau von Mühlendorf das
Hochzeitkleid nähte und natürlich den Ehemann zu dessen  Ehre
Kunigunde das Kleid trug.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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